Kreativ in der Krise: Das Time Magazine bietet Abonnenten ein neues Modell an. Sie können ein Heft bestellen, das aus acht verschiedenen Magazinen des Verlages Time Inc., einer Tochter von Time Warner, zusammengestellt ist. Das Heft, Mine genannt, soll für fünf Ausgaben erscheinen, die über einen Zeitraum von zehn Wochen verschickt werden sollen.
Bedient werden die ersten 31 000 Interessenten, die sich melden; weitere 200 000 Leser können Mine online bestellen. Allerdings halten sich die Wahlmöglichkeiten des Lesers in Grenzen. Der kann sich von acht Magazinen aus dem Time-Verlag - von Sports Illustrated bis Food & Wine - fünf aussuchen, die er interessant findet, und dazu noch Fragen ankreuzen, die seinen Geschmack einordnen. Mag er lieber Sushi oder Pizza? Würde er lieber jonglieren lernen oder Celebrities imitieren?
Bezahlt wird das Experiment vom Autokonzern Toyota, der seinen Luxusschlitten Lexus promoten will. Toyota will in jedem der 36 Seiten starken Hefte vier Farbseiten mit Anzeigen schalten. Time seinerseits will Leser bedienen, die sich sonst im Internet zusammensuchen, was sie interessiert.
Time Inc. sind nicht die einzigen mit dieser Idee. Die MediaNews Group, die unter anderem die Denver News und die Mercury News aus dem Silicon Valley herausgibt, hat ähnliche Pläne. Hier sollen Leser über Stichworte, die sie auf der Website ihrer Zeitung eingeben, steuern können, was in ihrem Blatt von morgen steht - nachzulesen in der digitalen Version. Für Time ist das ein Versuch, die Krise zu besiegen.
Wie viele Magazine hat auch das Flagschiff von Time Inc. Leser verloren, zudem brach der Aktienkurs im letzten Jahr um zwei Drittel ein. Ähnlich geht es vielen amerikanischen Zeitschriften.
Allein im vergangenen Jahr mussten 525 Titel ihr Erscheinen einstellen, darunter die Condé-Nast-Publikation Domino sowie Playgirl, aber auch viele Uniblätter, die lieber online gingen, und Reisemagazine. Andere Blätter, wie der New Yorker oder Condé Nast Portfolio, reduzieren Seiten oder erscheinen seltener.
Und die Leser wandern derweil ins Internet ab, wo die Anzeigenpreise nur bei einem Bruchteil dessen liegen, was bei Print erwirtschaftet wird.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.