Herr von Veltheim, Herr Krueger, Sie setzen sich mit ihrer Firma Minds and Machines für die Einführung neuer Top-Level-Domain wie .berlin und .nyc ein. Wozu brauchen wir die?
Casper von Veltheim: Vor dem Jahr 2000 gab es nur 300.000 Adressen mit der Endung .de, heute sind es über 13 Millionen. Die Endung .de ist die zweithäufigste nach .com. Dadurch gibt es nicht mehr genug sinnvolle Domainnamen. Neue Domains würden den Markt öffnen.
Verwirrt das nicht die Nutzer?
Veltheim: Es wäre ein intuitiverer Gebrauch. Wenn Sie ein Hotel in Berlin suchen, könnten sie www.hotels.berlin eingeben und alle Angebote der Stadt finden.
Fred Krüger: Jetzt fühlt es sich vielleicht merkwürdig an, aber wir denken, in drei Jahren hat jede Stadt ihre Endung. London wird eine haben, Paris hat das bekannt gegeben, und wir arbeiten zusammen mit New York an .nyc. Es wäre schlecht, wenn Berlin da nicht mitmacht.
Alle diese Initiativen bewerben sich bei der weltweiten Internetverwaltung Icann. Wer organisiert dann die Registrierung jeweils vor Ort?
Krüger: Die Icann startet in diesem Jahr den Bewerbungsprozess für eine Reihe neuer Domains: .hotel, .golf - was immer sie wollen. Es wird vielleicht 200 neue Endungen geben. Für Städte gibt es besondere Regeln: Sie sollen selbst entscheiden, wer sich darum kümmert. Jede Initiative, die sich um eine Stadt-Domain bewirbt, benötigt die Unterstützung der Städte, oder diese können das auch selbst machen. New York etwa wird das tun.
Und Berlin?
Veltheim: Die definitiven Regeln für die Bewerbung werden erst im Laufe des Jahres veröffentlicht. Berlin will bis dahin warten. Aber es wird wohl passieren.
Wer stellt die Infrastruktur?
Veltheim: Es gibt nur sieben Firmen weltweit, die Software anbieten für den Registrierungsprozess. Minds and Machines ist eine davon.
Krueger: Man braucht die Technik, aber man braucht auch einen finanziellen Hintergrund. Für die Bewerbung sind 185 000 Dollar an Icann zu zahlen. Außerdem müssen 20 Cent pro Domain gezahlt werden und Icann will finanzielle Sicherheiten, dass man nicht pleite geht. Icann prüft damit, ob man eine solche Top-Level-Domain für mindestens fünf Jahre betreiben kann.
Die deutsche Registrierungsstelle Denic wird von einer Vielzahl von Unternehmen getragen und garantiert Neutralität. Kann das ein einzelnes Unternehmen auch?
Krueger: Icann hat eine Liste von Angeboten, die man machen darf. Wir alle bieten exakt dasselbe an. Wir betreuen eine Million Adressen in 23 Ländern weltweit. Der Unterschied wird die Vermarktung sein. Die Adressen verkaufen sich nicht von alleine.
Erhalten nur die Einwohner einer Stadt eine Domain?
Veltheim: Die Endung .berlin ist natürlich für die Berliner gedacht, aber sie sollte auch die Wirtschaft einer Stadt repräsentieren.
Krueger: Es wird nur funktionieren, wenn es einfach ist, sich zu registrieren. Die Endung .travel ist attraktiv, müsste man meinen. Aber sie hat nicht funktioniert, weil sie nur zugelassen ist für Unternehmen aus der Reisebranche. Man könnte zu Beginn alle Einwohner einer Stadt ihren Namen als Domain registrieren lassen. Dann kann man das später öffnen. Die Stadt-Endungen werden die ersten sein.
Aber es wird Domains geben, bei denen wahrscheinlich lange darüber diskutiert wird, ob man die haben will. Zum Beispiel .xxx für Sexangebote. Es gibt gute Argumente dafür. Wenn man alle Anbieter dazu verpflichten würde, ihre Angebote dorthin zu übertragen, wäre das ein guter Weg, all das an einer bestimmten Stelle im Netz zu sammeln. Wenn man diese Seiten etwa für Kinder sperren will, sagt man dem Browser einfach, er soll keine .xxx-Seiten anzeigen.
Wie teuer sollen die neuen Adressen sein?
Veltheim: Etwa so teuer wie eine .de-Adresse. Die kosten etwa 12 Euro im Jahr.
Krueger: Man kann die Adressen teurer machen, dann entmutigt man Domain-Spekulanten, die sich Adressen sichern, um sie weiterzuverkaufen. Andererseits ist das Risiko dann groß, dass die Endung nicht funktioniert. Schon ein Dollar mehr macht einen großen Unterschied.
Das Gespräch führte Marin Majica
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