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Medien

15. Juli 2008

Trends von gestern

 Von DALAND SEGLER
Alles so schön bunt hier. Da fällt für fast jeden Stöberer noch irgendwas ab.  Foto: rtr

Dirk Mantheys neuer Internet-Dienst "Meedia" sieht noch etwas alt aus

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Das Internet sei ein Müllhaufen, hat einer seiner Pioniere gesagt. Und wer oft surft, kann das nur bestätigen. Aber wie das so ist mit dem Abfall: Es findet sich immer einer, für den noch etwas abfällt. Und das ist bei der Größe des Müllbergs nicht mal schwierig. So ist die online-Verwertung von anderswo Gelesenem oder Gesehenem inzwischen ein dicker Geschäftszweig geworden - der allerdings noch nicht so recht zu blühen vermag, weil die Werbewirtschaft zögert mit ihren Investitionen in Blogs und Blog-Sammler, so genannte Aggregatoren.

Jetzt ist ein neues Pflänzchen dieser Gattung auf der Halde gesprossen, das ein alter Kämpe des Mediengeschäfts ziehen will: Dirk Manthey, der ehemalige Eigner des Verlags Milchstraße (TV Spielfilm, Max, Fit for Fun, Tomorrow). Er hat die drei erstgenannten Titel vor Jahren an Burda verkauft und versucht nun ein zeitgemäßes Comeback mit einem Internet-Auftritt: "Meedia" ist laut Selbstdarstellung "News-Aggregator", "Medien-TV-Kanal" und "Internet-Guide". Den seltsamen Namen mit dem doppelten "e" hat Manthey dem Kollegen Karl-Hinrich Renner so simpel wie großspurig erklärt: "Google schreibt sich ja auch mit zwei o".

Das Portal soll, so die Eigenwerbung, "eine Informationsquelle für alle werden, die sich für Medien interessieren. Ein Medien-Portal von morgen, das konsequent die Vorteile des Webs nutzt" - also etwa die Geschwindigkeit bei der Verbreitung von Nachrichten. Aber da fällt gleich auf, dass der neue Dienstleister für Medienschaffende auf einen ersten Blick ziemlich alt aussieht.

Taufrisch ist das nicht

Die erste Neuigkeit gestern Vormittag jedenfalls stammte von dem betagten Medium Print: der Süddeutschen Zeitung, die in ihrer Montagsausgabe über die Lage bei ProSieben-Sat.1 Media berichtete. Und auch die "Diskussionen über die Focus-Auflage" waren nicht mehr taufrisch und schon in der Vorwoche Stoff in der Presse.

Das passt dann doch irgendwie nicht ganz zu Dirk Mantheys dick aufgemachtem "Trendbericht" über die Entwicklung in den USA: ",Old Media' wird an die Wand gedrängt". Originalton Manthey: "Es ist erstaunlich, welche Power noch immer vom Silicon Valley ausgeht. Und erschreckend, wie hilflos dagegen die ,Old Media'-Angebote aussehen."

In zwanzig "Trend"-Thesen wird dann auch wieder das alte Lied vom drohenden Ende der Zeitungen und dem Verschwinden der Kulturtechnik Lesen gesungen, stets mit Artikeln aus der US-amerikanischen Presse verlinkt.

Aber schon diese Texte sind oft nicht neueren Datums, und die zwanzig "Trends" sind es noch weniger und wohl doch eher für Menschen neu, die sich eben nicht mit Medien beschäftigen. Beispiele: "Jugendliche haben kein Interesse an Old Media - Das Web dominiert das Leben der Teenager", "Fernsehen und Computer verschmelzen - Ein glückliches Paar: TV und PC" oder auch "Auf das Fernsehen kommen Probleme zu - Der Web-Hype wird auch aufs Fernsehen Auswirkungen haben".

Was wir irgendwie schon ahnten und nicht erst seit der bundesdeutschen Debatte über die künftigen Internet-Auftritte von ARD und ZDF diskutieren. Aber "Meedia" will ja auch erst ein "Medienportal von morgen werden"; man befinde sich noch "in der Beta-Phase": Das gilt allerdings für die Technik. Nun muss ein Aggregator im Netz nicht mit Neuem prunken, aber die Kluft zwischen großem Auftritt und eher bescheidenem Gehalt des Angebots fällt auf.

Mehr zu bieten hat das Portal bei den bewegten Bildern. Da ist "Meedia", auch wenn es erstmal nur fremde Filmchen anbietet, den Konkurrenten wie Netzeitung, Kress und "turi" allein durch die Masse voraus - und auf jeden Fall in Richtung Zukunft unterwegs. Denn der Wandel des Internets vom Text- zum Bildmedium ist nur ein Zwischenschritt. Wenn sich die Wege und Geschwindigkeiten bei der Daten-Übertragung verbessern, wird das Netz zum Filmmedium werden.

Und wenn der britische Investor David Montgomery tatsächlich demnächst seine Netzeitung fallen lassen sollte, hat "Meedia" einen Konkurrenten weniger bei den Medienportalen und eine höhere Chance auf Nutzung.

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