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06. Januar 2013

TV-Kritik „Deutschland sucht den Superstar“ (RTL): Eine Klobürste und drei Claqueure

 Von Torsten Wahl
Die Jury-Mitglieder, Musikproduzent Dieter Bohlen (l-r), Bill Kaulitz und Tom Kaulitz von der Band Tokio Hotel und der Sänger Mateo. Foto: dpa

Als „härteste Jury der Welt“ pries RTL die vier Juroren an, die „Deutschland sucht den Superstar“ mehr Pep verleihen sollen. Neben dem selbsternannten „Pop-Titanen“ Dieter Bohlen begutachten jetzt auch die Tokio Hotel-Zwillinge die Kandidaten. Doch die Show zeigt eher, wie Pop-Größen ihren Ruf ruinieren.

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Man mag von der Musik von Tokio Hotel halten was man will: „Superstars“ wie die beiden Zwillinge Bill und Tom Kaulitz hat die RTL-Show DSDS in den bisherigen neun Jahren noch nicht hervorgebracht. Die Verpflichtung der Kaulitz-Brüder böte eigentlich Chancen für beide Seiten: Tokio Hotel können dem deutschen Publikum zeigen, dass es sie überhaupt noch gibt, RTL könnte von der früheren Popularität der Zwillinge profitieren.

Bei der Konkurrenz hat dies schon funktioniert: Dank der SAT.1-Show „The Voice Of Germany“ konnten Rea Garvey und das BossHoss-Duo neue Fans gewinnen – allerdings in einem Umfeld, das auf musikalische Qualität setzte. Davon kann bei DSDS nach wie vor keine Rede sein: Allenfalls zwei Kandidaten der Startfolge hätten bei „The Voice Of Germany“ überhaupt eine Chance bekommen. Der Auftakt setzte wie gewohnt auf hämisch kommentierte gesangliche Entgleisungen und Peinlichkeiten.

Die Hauptrolle spielte dabei natürlich Dieter Bohlen, der sich eine Reihe von Sprüchen zurecht gelegt hatte, etwa: „Ich bin die Klobürste, an mir bleibt die Scheiße hängen.“ Die drei Musiker neben ihm blieben meist Claqueure des Meisters, die sich weder eine eigene Meinung trauten noch kompetente Ratschläge an die Kandidaten geben konnten.

Bill Kaulitz setzte sich vor allem selbst in Szene, fiel mit diversen schrillen Kostümierungen auf, sein Bruder Tom schien in Gedanken irgendwo anders zu sein. Culcha Candela-Sänger Mateo schließlich, der DSDS eingangs tatsächlich als „Mutter aller Unterhaltungssendungen“ lobhudelte, verspielt hier als Bohlen-Jünger einiges von jener Glaubwürdigkeit, die seine Band noch vor einigen Jahren mal hatte.

Geschmacklicher Tiefpunkt: Wie sich die Jury über jene Bilder aus einer versteckten Kamera amüsierte, die ihre Kandidaten eine Minute vor ihrem Auftritt heimlich beobachtete. Da ließen sich die vier „Juroren“ von RTL einfach zu Spannern machen, bewiesen nicht mehr Stil als ihre oft peinlichen Kandidaten – sollte das etwa die versprochene Härte sein?

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