Das Szenario könnte aus einem Science-Fiction-Film stammen, ist aber bedrückend aktuell: Winzig kleine Lebewesen bedrohen die Menschheit. Sie sind Weltmeister der Anpassung. Die unsichtbare Gefahr kann überall lauern. Vor allem aber ist es der Mensch selbst, der sie heraufbeschwört. Je tiefer er in den Regenwald eindringt, um so größer wird das Risiko, auf einen Feind zu treffen, dem er nicht gewachsen ist. Die Krone der Schöpfung sind die Viren.
Prunkstück des zweiteiligen Doku-Dramas "Das Imperium der Viren", für das die ARD aus gegebenem Anlass ihr Programm ändert, sind die in der englischen Zauberschmiede 422 entstandenen Animationen. Die Qualität der Trickbilder aus dem Computer ist derart bestechend, dass es einem kalt den Rücken runterlaufen kann. Kein Wunder, dass die beiden Filme diesen Aufnahmen einen großen Teil ihrer beunruhigenden Wirkung verdanken.
Imperium der Viren, ARD, 4.5., 20.15 Uhr, 2. Teil 6.5., 23.30 Uhr.
Kamerafahrt durch den Körper
Wie durch Zauberei scheint die Kamera in die von Viren befallenen Patienten einzutauchen; in Lungen und Blutbahnen wird man dann Zeuge, wie sich die Eindringlinge im Nu milliardenfach reproduzieren, um ihren Wirtskörper schließlich in den sicheren Tod zu treiben.
Aber auch die Verpackung für die Tricktechnik geht unter die Haut: Im ersten Teil beschreiben die Autoren, wie sich vor einigen Jahren der Virus Sars über die ganze Welt ausbreitete, dank einer beispiellosen konzertierten Aktion im Rekordtempo eingedämmt werden konnte und nur eine geringe Anzahl an Todesopfern forderte. In Teil zwei kommt die Menschheit nicht so glimpflich davon. Hier entwirft das Trio Petra Höfer, Freddie Röckenhaus und Francesca D'Amicis ("Blut und Spiele") das Szenario eines Terroranschlags mit Biowaffen. Dass dieses komplexe Thema so verständlich dargeboten wird, liegt auch an Gesprächen mit diversen Virologen. Die Auswahl der Experten steht für eine weitere Qualität der Produktion. Man braucht kein Mikrobiologe sein, um ihnen folgen zu können. Die Gestaltung tut ein Übriges, um zu verhindern, dass man sich trotz des morbiden Inhalts alsbald ganz krank fühlt.
Die Thriller-Musik passt perfekt zum Thema, einige Gesprächspartner werden mit Hilfe von Zeitlupe und optischer Vervielfältigung beinahe spielerisch eingeführt. Und angesichts der finsteren Aussichten ist es fast wieder beruhigend, wenn die schlechten Nachrichten von einem angenehmen Sprecher wie Benjamin Völz überbracht werden.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.