Volker Herres wusste, er würde es als ARD-Programmdirektor schwer haben an diesem Abend, an dem er das neue Konzept für den Eurovision Song Contest vorstellte. Nicht nur weil die ARD dabei zum ersten Mal - und aus purer Not - mit einem Privatsender, ProSieben, und dessen Vorzeige-Entertainer Stefan Raab zusammenarbeitet.
Nein, er würde es auch schwer haben, unter all diesen hippen, jungen Leuten aus dem Kommerzfernsehen nicht wie ein Vertreter des alten Fernsehens zu wirken, besonders weil nach ihm Raab, der dieses alte Fernsehen gern verulkt, auf die Bühne treten sollte.
Also versuchte es Herres mit Ironie. Der Grand Prix sei die "Mutter aller Sangesschlachten" (Großmutter wäre wohl treffender). Er könne Sieger zeugen und eben auch Verlierer, sagte Herres, "und davon können wir ja in jüngster Zeit - sagen war mal - ein Lied singen". Das zu ändern, sei eine "nationale Aufgabe", sagt Herres.
Deshalb sei man auch nach Berlin gekommen, "in das Herz der Macht", in den Reichstag, sagte er, um in die politisch nicht ganz korrekten Pointe zu münden, angesichts der der "überraschenden Liaison" mit ProSieben kenne er keine Konkurrenten mehr, sondern nur noch Deutsche.
Und sie, die Deutschen, wollen die beiden Sender wieder für den Song Contest "emotionalisieren". Das Wort fiel an diesem Abend so oft, dass man von Autosuggestion ausgehen muss. Immerhin, es könnte der ARD und ProSieben gelingen. "Unser Star für Oslo" heißt ihre Casting-Show, und anders als in den Jahren zuvor, sollen die Deutschen selbst, oder zumindest diejenigen, die sich die acht Sendungen im Fernsehen anschauen, den Kandidaten bestimmen, der im Mai nach Norwegen fährt.
Die erste Folge läuft 2. Februar auf ProSieben. Am darauf folgenden Freitag ist die ARD an der Reihe. So geht es abwechselnd weiter, bis von den zwanzig Musikerinnen und Musikern, die es in einem Vor-Casting in die Sendung geschafft haben, zwei im Finale (12. März, ARD) übrig sind. Wechselnde Jurys, unter anderem mit Marius-Müller Westernhagen, Peter Maffay, Jan Delay und Sarah Connor, bewerten die Künstler.
Stefan Raab, der nach Herres zusammen mit den Moderatoren des Castings, Matthias Opdenhövel und Sabine Heinrich, auf der Bühne saß, sagte, er nehme den Song Contest sehr ernst. Er sprach laut und sehr vernünftig zum Beispiel über die Nachhaltigkeit, mit der junge Künstler gefördert werden müssten. "Das betrachte ich als anständig", sagte er. Bei "Unser Star für Oslo" werde bei aller Ernsthaftigkeit aber auch der Spaß nicht zu kurz kommen, "auch wenn wir jetzt mit der ARD zusammenarbeiten. Da hat auch Volker Herres gelacht.
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