Letztlich stimmt sein dramaturgisches Credo bis heute. Wer mit Familienstoffen beim breiten Publikum Erfolg haben wolle, so wusste der am Samstag 91-jährig verstorbene Bühnen- und Serienautor Curth Flatow, brauche „unter jedem Dach ein ,ach!‘“. Selbst die leichte Unterhaltung kommt ohne eine ordentliche Portion Drama nicht aus.
„Dramedy“ heißt das heute, doch bereits 1959 hatte Flatow diesem „ach!“ in seinem Berliner Volkstheaterstück „Das Fenster zum Flur“ einen formvollendeten Ausdruck verliehen: Im Zentrum der sozialkritischen Tragikomödie stand die Portiersfrau Anni Wiesner, gespielt von der noch nicht sonderlich bekannten Inge Meysel.
Mischung aus Zeitkritik und Burleske
Dieses Stück machte sie über Nacht zur „Mutter der Nation“. Flatows elegante Mischung aus Zeitkritik und Burleske machte ihn in den 60er-Jahren zum meist gespielten Autor seiner Zeit. Wenn er zeitlebens immer wieder betonte, er wolle „die Gesellschaft nie verändern, sondern nur unterhalten“, war das nur die halbe Wahrheit.
Auch das Fernsehen entdeckte der Bühnenautor früh für sich. Er schrieb für Hans Rosenthals „Dalli Dalli“ und für Peter Frankenfelds „Musik ist Trumpf“. Georg Thomalla, Günter Pfitzmann, Harald Juhnke, Brigitte Mira – die Liste derer, die ihre Karriere mit Stücken, Sketchen oder Liedern von Curth Flatow machten, ließe sich fortsetzen. Zu seinen größten Fernseherfolgen gehörte sicher die ZDF-Serie „Ich heirate eine Familie“. Flatow, der 1981 in zweiter Ehe eine Frau mit zwei halbwüchsigen Kindern geheiratet hatte, schaute seine Patchworkstory dem eigenen Leben ab.
Der Freiberufler Werner, der seinen Alltag plötzlich nach den Kindern richten muss, seine Frau Angie, die mit der Frage „Nur-Hausfrau“ oder „Karriere-Mama“ kämpft – diese Dramedy wird bis heute in so mancher modernen Bionade-Familie aufgeführt. Das Dach, unter dem das „ach!“ erklingt, ist nur vielleicht klimaneutral gebaut.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.