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Medien

11. Mai 2012

Urheberrecht Künstler-Initiative: Das Geschäftsmodell von Gestern

 Von Christian Schlüter
Drei Künstler, die sich für das Urheberrecht einsetzen: Enthüllungsjournalist Günter Wallraff, Autorin Charlotte Roche und der Schauspieler Mario Adorf. Foto: dpa

Fast 1000 Unterschriften hat der Appell „Wir sind die Urheber!“ schon gesammelt. Auch immer mehr Autoren und Künstler, wie Roger Willemsen, Günter Wallraff und Charlotte Roche, sprechen sich für das Urheberrecht aus - und gegen die "öffentlichen Angriffe" darauf.

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Künstler dürfen das, Künstler müssen das: Sich für das Urheberrecht als ein Geschäftsmodell einsetzen, das ihr Einkommen sichert. Autoren wie Daniel Kehlman, Felicitas Hoppe, Roger Willemsem oder Charlotte Roche haben das jetzt in der Wochenzeitung Die Zeit getan. Eine erstaunliche Initiative; der Berliner Literaturagent Michael Landwehr hat mittlerweile über 1000 Unterzeichner für den Appell „Wir sind die Urheber!“ versammelt (www.wir-sind-die-urheber.de). Mit „Sorge und Unverständnis“, heißt es dort, „verfolgen wir die öffentlichen Angriffe gegen das Urheberrecht“.
Gemeint dürfte die Piratenpartei und ihre mitunter frivole Position zum Urheberrecht sein. Der Erfolg dieser Partei hat etwas allgemeiner zu Bewusstsein gebracht, dass mit dem Urheberecht im digitalen Zeitalter etwas falsch läuft. Der Vollständigkeit halber sei allerdings erwähnt, dass die Piraten nur aufs politische Tapet brachten, was längst gesellschaftliche Praxis ist. Dagegen macht die Initiative nun mobil: Sie sieht die „historische Errungenschaft bürgerlicher Freiheit gegen feudale Abhängigkeit“ und „die materielle Basis für individuelles geistiges Schaffen“ in Gefahr, sollte das Urheberrecht verschwinden.

Sicherheit und Gehorsam

Diese Initiative ist zu begrüßen, allerdings nicht vorbehaltlos. Dazu einige Überlegungen: Das Urheberrecht ist wie jedes geltende Recht auf Akzeptanz außerhalb des Rechts angewiesen; denn sonst müsste es mit erheblichem, auf Dauer weder personell noch finanziell zu leistendem Aufwand durchgesetzt werden. Das bedeutet nicht Opportunismus des Gesetzgebers gegenüber dem Laissez-faire der Gesellschaft, sondern Abwägungen zweier Rechtsgüter – der Rechtssicherheit und dem Rechtsgehorsam. Vor diesem Hintergrund verstehen sich alle derzeit laufenden Imagekampagnen pro Urheberrecht als Versuche einer für die Rechtsdurchsetzung unerlässlichen Akzeptanzsteigerung des Gesetzes.


Die entscheidende Frage ist allerdings gar nicht, ob das Urheberrecht nun fortbesteht oder nicht, sondern wie es in Zukunft gestaltet sein wird. Denn schon jetzt ist es von der technischen Entwicklung und, damit einhergehend, von der Praxis im Internet überholt. Unsere Künstler halten an etwas fest, das von sich aus immer weniger in der Lage ist, ihre berechtigten Interessen zu schützen. Mit anderen Worten: Ihr Geschäftsmodell ist von gestern, aber sie möchten es ins Morgen retten. So wie auch die romantische Idee vom unverwechselbaren Schöpfersubjekt.
Dieses hat sich zwar immer als Gegenentwurf zum schnöden Marktgeschehen und seinen alle Besonderheiten vergleichgültigenden Mechanismen von Angebot und Nachfrage verstanden. Doch war die proklamierte Einmaligkeit des genialisch aus sich selbst schöpfenden Individuums nie viel mehr als eine verkaufsfördernde Marktpositionierung. Der emphatische Künstler, der Urheber ist eine in ihrer historischen Bedingtheit sinnvolle Marktfunktion, aber kein heiliger Gral der Menschlichkeit: Das 19. Jahrhundert ist vorbei, die Märkte gestalten sich heute anders und den Künstlern muss entsprechend anders geholfen werden.

Umsonstkultur: eine Erfindung von Google und Facebook

Wollen die hunderttausenden von Urhebern auf absehbare Zeit nicht leer ausgehen, dann werden sie statt einfach am Urheberrecht festzuhalten, nicht umhin kommen, sich einen Reim auf die milliardenfache Nutzung digitaler Inhalte im Internet zu machen. Umgekehrt werden die Internetnutzer endlich lernen müssen, dass die von ihnen gepflegte Umsonstkultur eine Erfindung solcher Großkonzerne wie Google oder Facebook ist, die sie im Sinne der freiwilligen Unterwerfung zu nützlichen Idioten des Kapitals macht. Das Internet ist nicht per se frei, sondern bedarf einer durchgreifenden Regulierung.

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