Wenn Carlos Slim ein Unternehmen oder Anteile daran kauft, dann kann man sicher sagen: Die Firma durchlebt nicht ihren besten Moment. Und so ließ in der Medienwelt am Mittwoch die Nachricht aufhorchen, der mexikanische Multimilliardär habe 6,4 Prozent der Aktien der ehrwürdigen New York Times erworben.
Nach Angaben der Wirtschaftsagentur Bloomberg hat das Papier des Medienunternehmens im laufenden Jahr 20 Prozent an Wert eingebüßt und war so für Slim vergleichsweise ein Schnäppchen. Für die 9,1 Millionen Anteile musste der Mexikaner demnach 127 Millionen Dollar bezahlen. Damit ist der 68 Jahre alte Investor der drittgrößte fremde Anteilseigner an der Times, neben der Familie Ochs-Sulzberger, die das renommierte Blatt seit mehr als einem Jahrhundert kontrolliert.
Auf die Frage, warum er bei einer der besten Zeitungen der Welt eingestiegen sei, antwortete Slim mexikanischen Reportern nur knapp: "Aus finanziellen Gründen", womit er ein strategisches Engagement ausschloss.
Slim, den das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" im März als den zweitreichsten Menschen der Welt taxiert hat, verfügt über ein Privatvermögen von rund 60 Milliarden Dollar (43 Mrd. Euro).
Der stets korrekt gekleidete Unternehmer mit dem grauen Bart hat sich in den vergangenen 20 Jahren den Ruf erworben, angeschlagene Unternehmen aufzukaufen, sie zu sanieren und in florierende Firmen zu verwandeln. Carlos Slim habe einen unvergleichlichen Riecher für Geschäfte und Schnäppchen, lautet die häufigste Charakterisierung bei Experten in Mexikos Finanzbranche. Das Engagement in der Medienbranche aber ist neu.
In der Heimat hat er seine Finger und Gelder in fast jedem wichtigen Sektor: Banken, Versicherungen, Investmenthäuser, Restaurants, Kaufhäuser, Minengesellschaften, Bau- und Autozulieferer. Den Großteil seines Vermögens hat Slim aber mit Telefonie gemacht.
Auf den mexikanischen Festnetzanbieter Telmex und die Mobilfunktochter América móvil begründet sich der Reichtum Carlos Slims. Vor allem das Handyunternehmen ist als Marktführer in Lateinamerika so etwas wie der Goldesel des Mexikaners, aus dessen Gewinnen er seine weit verzweigten Investments bezahlt.
Slim ist das fünfte von sechs Kindern eines Einwanderers aus dem Libanon, der mit Einzelhandel und Immobilien ein bescheidenes Vermögen erwirtschaftet hat. Er weckte in seinen Kindern den Unternehmergeist und ließ die Söhne schon als Kinder ein Sparbuch führen, das er jede Woche kontrolliert. Carlos war immer der Beste.
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