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US-Zeitungskrise: Pleiten und kein Ende

Die Rocky Mountain News machen dicht und der San Francisco Chronicle strauchelt. Von Rita Neubauer

Ab morgen ohne Job: Verlagschef Rich Boehne verkündet der Belegschaft die Hiobsbotschaft.
Ab morgen ohne Job: Verlagschef Rich Boehne verkündet der Belegschaft die Hiobsbotschaft.
Foto: rtr

Noch mehr schlechte Nachrichten vom US-amerikanischen Zeitungsmarkt: Die Rocky Mountain News, die älteste Zeitung im Staat Colorado, hat am Freitag nach 150 Jahren ihr Erscheinen eingestellt. Das Blatt habe im vergangenen Jahr einen Verlust von 16 Millionen Dollar (umgerechnet 12,5 Millionen Euro) eingefahren, teilte der Verlag E.W. Scripps am Donnerstag in Denver mit. Und einen Käufer für die Zeitung habe der Verlag nicht gefunden. Die Rocky Mountain News, die führende Stimme in Denver, seien ein Opfer der Veränderungen im Mediengewerbe und der großen Wirtschaftskrise geworden, erklärte Verlagschef Rich Boehne.

Auch dem San Francisco Chronicle droht Verkauf oder Einstellung. Dass es so nicht weitergehen würde, wussten die Beschäftigten des San Francisco Chronicle. Seit 2001 schreibt die zwölftgrößte Tageszeitung des Landes und größte Zeitung im nördlichen Kalifornien rote Zahlen. Im vergangenen Jahr waren es 50 Millionen Dollar, knapp eine Million pro Woche, in diesem Jahr könnten die Verluste noch höher ausfallen.

Doch die harsche E-Mail, die diese Woche aus New York vom Sitz der Hearst Corp. kam, war für die 275 Mitglieder der Redaktion dennoch ein Schock. Der Verlag, der den Chronicle vor neun Jahren übernahm, drohte unverhohlen mit Verkauf oder Einstellung des 144-jährigen Blattes - sollten in den nächsten Monaten radikale Sparmaßnahmen und Entlassungen nicht zum gewünschten Resultat führen. Wie genau dieses jedoch auszusehen hat, ließ der Konzern offen.

Das Ultimatum ist ein weiterer Dolchstoß beim Massaker auf dem US-Zeitungsmarkt. Kein Tag vergeht, ohne dass sich nicht neue Entlassungen, Einstellungen oder Bankrotte ankündigen. Der Hearst-Konzern, der 16 Tages- und 46 Wochenzeitungen herausgibt, hatte bereits ähnliche Pläne für den Seattle Post-Intelligencer im Januar bekanntgegeben. Die Krise ist branchenweit. Vergangenes Wochenende meldete die Philadelphia Newspapers Gruppe, Herausgeber des Philadelphia Inquirer, Insolvenz an. Anfang des Jahres steckte der mexikanische Milliardär Carlos Slim 127 Millionen Dollar in die New York Times, um das ehrwürdige Blatt vor einer Kreditkrise zu bewahren.

Selbst die News Corporation von Rupert Murdoch, zu der das Wall Street Journal und der Nachrichtensender Fox News gehört, hat zu kämpfen. Im Ende Dezember abgelaufenen zweiten Geschäftsquartal rutschte das erfolgsverwöhnte Unternehmen mit 6,4 Milliarden Dollar in die Miesen. Es ist der höchste Quartalsverlust seiner Geschichte. Diese Woche wurde zudem bekannt, dass Murdoch (78) inmitten der Medienkrise auch noch seinen wichtigsten Manager, Peter Chernin, verliert. Die Gründe für dessen Ausscheiden sind nicht bekannt, doch Investoren reagierten beunruhigt auf die Nachricht und fragen besorgt, wer Murdoch beerben wird.

Es sind dramatische Zeiten bei den amerikanischen Zeitungsverlagen. Und niemand scheint bislang eine Antwort auf die Frage zu haben, wie der Aderlass, hervorgerufen durch Anzeigen- und Leserschwund sowie die Konkurrenz Internet, gestoppt werden kann. Und so wird experimentiert - mit zum Teil absurden Konzepten. Die Detroit Free Press will nur noch an umsatzstarken Tagen ihren Abonnenten eine Printausgabe liefern. Den Rest der Woche sollen sich diese eine abgespeckte Version am Kiosk kaufen oder sich online informieren.

Der überregionale The Christian Science Monitor macht einen noch radikaleren Schritt: Er erscheint nur noch im Internet. Selbst das umstrittene Thema, die Online-Leser bezahlen zu lassen, findet wieder seine Befürworter. Auch bei der New York Times, die den Bezahldienst für ihr "TimesSelect" vor zwei Jahren einstellte. Obwohl sie damit 10 Millionen Dollar im Jahr verdiente.

Dass nun Chefredakteur Bill Keller wieder laut über ein Bezahlmodell nachdenkt, brachte ihm eine Menge Kritik von Kollegen ein. Dennoch erscheint Beobachtern genau dies die Richtung, in die die Misere weist. Denn hochwertiger Journalismus und gut bestückte Redaktionen, ohne die es nicht geht, kosten die Verlage mehr, als sie derzeit durch Werbeeinkünfte erzielen können. Will heißen, dass auch zur Kasse gebeten werden muss, wer nur online liest.

Ob das die Abwärtsspirale stoppt? Denn viele Verlage sind so überschuldet, dass ihnen wie der Los Angeles Times oder der Chicago Tribune gar nichts anderes übrig bleibt, als Insolvenz anzumelden.

Autor:  RITA NEUBAUER
Datum:  28 | 2 | 2009
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