Das Ende kam schnell, aber immerhin stilvoll: Am Mittwochvormittag kam Konzernchef Jonathan Newhouse höchstpersönlich in die Konferenz, am Abend gab es dann das Abschieds-Schnitzel im Berliner Prominenten-Lokal Borchardt. Der Condé Nast-Verlag stellt überraschend sein 14-täglich erscheinendes People-Magazin Vanity Fair ein. Betroffen sind 70 Redakteure in Berlin sowie weitere Mitarbeiter in der Verlagsverwaltung in München.
Abschied mit Makatsch
Die am heutigen Donnerstag erscheinende Ausgabe mit der Schauspielerin Heike Makatsch auf dem Titel wird also die letzte sein - gestartet war der deutsche Ableger des US-Mutterblatts im Februar 2007 mit einem Til-Schweiger-Titel. Mit einer Mischung aus People-Geschichten, Lifestyle-Themen, politischen Interviews und Mode-Fotostrecken erreichte Vanity Fair eine Auflage von etwa 200 000 Exemplaren. Condé Nast-Chef Newhouse begründete die Entscheidung mit der dramatischen Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfeldes.
Der weltweit agierende Verlag, der auch Vogue, New Yorker, GQ und Glamour herausbringt, hatte sich die Markteinführung von Vanity Fair in Deutschland rund 50 Millionen Euro kosten lassen. Die Einstellung des Magazins kommt nur wenige Wochen, nachdem Gruner + Jahr seinen ähnlich profilierten, aber monatlich erscheinenden Titel Park Avenue vom Markt genommen hatte.
Das Ende von Vanity Fair kam etwas unerwartet, da sich Konzern-Chef Newhouse noch Anfang Dezember in einem FAZ-Interview klar zu Vanity Fair bekannt hatte. Man fühle sich dem deutschen Markt verpflichtet, das Heft werde trotz schwieriger Lage weitergeführt. "Von meiner Warte aus entwickelt sich die deutsche Vanity Fair sehr gut", sagte Newhouse damals. Das war zu dem Zeitpunkt, als Park Avenue schon weg war, und der deutsche Condé Nast-Geschäftsführer Bernd Runge seinen Rücktritt erklärt hatte. Gestern nun hieß es seitens des Verlags: "Wir haben unser Bestes getan. Aber die Welt verändert sich rasant und in einer Weise, auf die sich niemand wirklich vorbereiten kann."
Beschränkter Glamour-Faktor
Vanity Fair blieb bis zuletzt auf der Suche nach einem Profil auf dem Hochglanz-Boulevard, man hatte mit dem beschränkten Glamour-Faktor des deutschen VIP-Wesens zu kämpfen. Vanity Fair wollte viel höher hinaus als Bunte oder Gala - doch so teure Reporter, Fotografen und Kolumnisten wie das US-Mutterblatt konnte man sich nicht leisten. Sparkurs und Personalabbau waren dem Blatt zuletzt stark anzusehen. Der Niedrigpreis von zwei Euro half nicht weiter.
Zudem litt Vanity Fair unter der hohen Mitarbeiter-Fluktuation. Man habe sich "von Abschiedsparty zu Abschiedsparty gehangelt", klagte ein Redakteur. Schon in der Konzeptionsphase hatte Kulturchef Matthias Kalle hingeschmissen, Chefredakteur Ulf Poschardt hielt es nur ein knappes Jahr.
Dass die Lage ernst war, wussten die Vanity Fair-Leute. Manche hatten die schöne Bescherung schon geahnt, als Condé Nast-Chef Newhouse im vergangenen Dezember auf der Weihnachtsfeier der Redaktion in Berlin aufgetaucht war.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.