Entweder dieser Verrückte mit seiner Kanone hört auf, oder ich will nicht mehr Hugo Chávez heißen", sagte der Präsident am Sonntag in Anspielung auf Alberto Federico Ravell, den Besitzer von Globovisión. Kritik sei eine Sache, Verschwörung eine andere, fuhr Chávez fort. Die Medien-Unternehmer spekulierten darauf, dass die Regierung aus Angst vor dem Ausland drastische Maßnahmen scheue, aber "sie können jederzeit überrascht werden , denn sie spielen mit Feuer".
Ravell ist ein alter Chávez-Gegner, und sein 24-Stunden-Nachrichtenkanal steht der Regierung offen kritisch gegenüber. Der Anlass für die jetzige Drohung ist banal: Beim Erdbeben vorige Woche hatte der Sender Fakten verbreitet, die sich später als falsch herausstellten, und Ravell persönlich beklagte sich, dass nicht sofort ein Sprecher des Seismologischen Instituts zu erreichen war.
Sympathie für rechte Putschisten
Sicherlich eine überzogene Kritik - die Erde hatte morgens um 4.40 Uhr gewackelt -, aber auch kein Grund für die Kampagne gegen Globovisión, für die Chávez mit seinen Äußerungen den Startschuss gegeben hatte. Außenminister Nicolás Maduro nannte den Sender danach "verbrecherisch, antidemokratisch, gescheitert und faschistisch". "Man muss Globovisión liquidieren, weil es der Feind ist", forderte ein Sprecher der mit Chávez verbündeten Kommunistischen Partei.
Tatsächlich ist Globovisión der Regierung schon seit 2002 ein Dorn im Auge, als der Sender mit Sympathie über den kurzlebigen Rechts-Putsch gegen Chávez berichtete. Es sei jedoch "nicht hinzunehmen, dass diese Episode dauernd als Begründung herangezogen wird, um regierungskritische Medien zu knebeln, zu schikanieren und offen zu bedrohen", urteilte "Reporter ohne Grenzen" schon im September 2008.
Damals riefen militante Regierungsanhänger Globovisión zum "Kriegsziel" aus und wurden dafür auch noch von Chávez' Innenminister Tarek Al Aissami belobigt. Dem Sender zufolge wurden seine Mitarbeiter in jüngster Zeit 25 Mal tätlich angegriffen. 17 Mal registrierte Globovisión Sachschäden an den Büros, teils durch Granatenattacken.
Vor zwei Jahren hatte sich Chávez, der die Medienunternehmer gerne als "apokalyptische Reiter" bezeichnet, eines anderen publizistischen Gegners entledigt, was freilich weltweit Aufsehen erregte und dem Ruf Chávez' und seinem politischen Projekt beträchtlich schadete. Die Regierung erneuerte dem seit 53 Jahren sendenden, ältesten TV-Kanal RCTV die Lizenz nicht mehr und gab dafür offen politische Gründe an. Der "Putschisten-Kanal", so Chávez, ist seither nur über Kabel zu empfangen.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.