Random House, der New Yorker Großverlag im Besitz von Bertelsmann, hat den Roman "Jewel of Medina", der das Leben von Aisha erzählt, der sechsjährigen Ehefrau des Propheten Mohammed, noch vor Erscheinen zurückgezogen. Der Verlag fürchtete "Akte der Gewalt" von Moslems gegen die Autorin, Mitarbeiter und Buchhändler. Ans Licht gebracht hat den Vorgang das Wall Street Journal, dessen frühere Korrespondentin Asra Q. Nomani sich darüber empörte. Nomani ist bekennende Feministin, Muslimin und war mit dem in Pakistan ermordeten Journalisten Daniel Pearl befreundet.
Autorin von "Jewel of Medina" ist die Journalistin Sherry Jones, die das Manuskript für 100.000 Dollar an Random verkauft hat (der Preis schloss ein zweites Buch ein). Treibende Kraft hinter dem Rücktritt vom Vertrag aber waren gar keine Moslems, sondern eine Professorin für Islamische Geschichte in Texas, Denise Spellberg. Der Verlag hatte sie um ein "Blurb", ein paar freundliche Zeilen gebeten. Aber Spellberg, die selbst ein Sachbuch über Aisha geschrieben hat, fand den Roman "historisch falsch, hässlich und dumm"; Jones habe die "heilige Geschichte" in einen Soft-Porno verwandelt.
Dabei beließ es Spellberg aber nicht, sie wandte sich an den Gastprofessor Shahed Amanullah, der auf seiner Website www.altmuslim.com nun moslemische Kollegen in aller Welt auf das Buch aufmerksam machte. Überdies rief Spellberg bei Random House an und warnte vor einer "Gefahr für das Gebäude, die Belegschaft, vor um sich greifender Gewalt". Und: Das Buch sei eine Kriegserklärung an Moslems und bedrohe die nationale Sicherheit, es sei kontroverser als die "Satanischen Verse" und die dänischen Cartoons.
Als aber die Vertragsauflösung bekannt wurde, brach erst recht Ärger los - diesmal von amerikanischen Bloggern. "Hat Random House es zugelassen, dass die Terroristen gewinnen?", fragt Mediabistro.com. Gawker.com, ebenfalls ein Medienblog, meinte, offenbar sei es heute sehr einfach, ein Buch "umzubringen". Noch mehr Kritik kam allerdings von Rechten: Das zionistische Blog Frontpagemagazine.com nannte Randoms Entscheidung "reaktionär und anti-demokratisch". Und auf der Website Stoptheaclu.com hieß es, die Moslems sollten sich lieber darüber aufregen, dass Mohammed Sex mit einer Minderjährigen hatte.
Inzwischen erklärte Spellberg, Random habe den Vertrag nicht ihretwegen aufgelöst. Verlags-Sprecherin Carol Schneider meinte , in dieser spannungsreichen Zeit habe man solch einen Roman nicht veröffentlichen wollen.
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