Mehr als 100.000 Apps gibt es mittlerweile für das iPhone. Mit diesen von Firmen und Privatpersonen erdachten Zusatzprogrammen können die Besitzer des Apple-Wunderwerks navigieren, shoppen, Autos mieten - und demnächst auch Luftangriffe auf feindliche Soldaten organisieren.
Raytheon, eines der größten Rüstungsunternehmen der USA, hat gerade eine eigene Applikation für das iPhone vorgestellt. Mit deren Hilfe sollen Soldaten im Gefecht unter anderem die Position von eigenen und fremden Truppen in Echtzeit lokalisieren können. Und mit einer eingebauten abhörsicheren Verbindung könnte dann der Angriff angefordert werden. Dazu müsse das iPhone zwar erst kriegstauglich gemacht werden, unter anderem, weil es keinen auswechselbaren Akku hat, aber laut Raytheon ist das kein Problem.
... heißt die Kolumne, in der Marin Majica und Patrick Beuth jeden Mittwoch über die Welt der neuen Medien schreiben.
Der Konzern, weltgrößter Produzent von Lenkraketen, hat eine enge Zusammenarbeit mit Apple angekündigt. Der Computer-Hersteller hat sich bislang nicht dazu geäußert. Das ist vermutlich gut so. Apple lebt von seinem Image, mehr als alle seine Konkurrenten. Das könnte Schaden nehmen, wenn sich herumspricht, dass Apple-Produkte benutzt werden, um Menschen zu töten.
Glücklicherweise gibt es auch friedlichere Ansätze: Die Firma Vcom3D bietet eine Übersetzungs-App für das iPhone und den iPod an, mit der Soldaten im Irak und in Afghanistan auch dann mit Einwohnern kommunizieren können, wenn diese kein Englisch sprechen. Dazu zeigt der Bildschirm des Geräts Videos und einfache Gesten sowie Texte in Kurdisch, Dari oder Paschtu - oder die Software liest diese Texte vor.
Allerdings gibt es über die Apps für Krisengebiete deutlich mehr Pressemeldungen, als Soldaten, die sie tatsächlich einsetzen. Die Erfinder der Apps wollen vermutlich einfach nur vom Hype profitieren. Denn wie Raytheon mit seiner Erfindung Geld verdienen will, wenn die ohne eine erst noch zu bauende iPhone-Version gar nicht einsatztauglich ist, verrät der Konzern nicht.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.