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Wie eine Visitenkarte der Zukunft aussehen könnte, hat jüngst die Firma The Astonishing Tribe vorgestellt. Was für Schweinereien man damit anstellen könnte, erklärt Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Mitarbeiter der Magazin-Redaktion der FR.
Patrick Beuth ist Mitarbeiter der Magazin-Redaktion der FR.
Foto: FR

Meine Visitenkarte ist aus Papier. Oldschool. Analog. Nicht anklickbar. Und als ob das nicht schlimm genug wäre, ist das, was draufsteht, auch noch veraltet oder überflüssig. Die Postanschrift der Redaktion etwa. Niemand, der Interesse an meiner Visitenkarte haben könnte, käme auf die Idee, per Post mit mir Kontakt aufzunehmen. Weil das einfach viel zu lange dauern würde.

Gerade noch akzeptabel wäre eine Visitenkarte, die man als SMS versendet. Und die nur aus Handynummer und E-Mail-Adresse besteht. Besser noch sind Poken. Das sind kleine Plastikfigürchen, die per Funk persönliche Daten austauschen können, wenn sie aneinander gehalten werden.

Wie eine Visitenkarte in naher Zukunft aussehen könnte, hat vor Kurzem die schwedische Firma The Astonishing Tribe vorgestellt. Recognizr heißt deren Applikation für Smartphones. Und die funktioniert so: Ein Mensch fotografiert sich selbst, lädt das Bild in eine Datenbank und schreibt seinen Namen, seine Telefonnummer und vor allem seine Profiladressen bei Facebook, Twitter oder Xing dazu.

Wenn nun jemand diesen Menschen mit einem netztauglichen Handy fotografiert, das die App installiert hat, erkennt eine Software namens Facelib das Gesicht, gleicht es mit der Recognizr-Datenbank ab und blendet die dazugehörigen Daten und Internetadressen des Fotografierten ein. Anklickbar. Das erspart lästiges Begrüßen, Vor- und Verstellen sowie alle üblichen Höflichkeitsfloskeln.

So ganz marktreif ist Recognizr aber noch nicht. Unter anderem haben die Erfinder noch nicht erklärt, wie sie Missbrauch verhindern wollen. Denn bislang ist vorstellbar, dass jemand eine E-Mail-Adresse mit einem fremden Namen anlegt, sich darüber bei Recognizr anmeldet und das Bild eines anderen Menschen hochlädt. Die Sauereien, die sich damit anstellen lassen, sind zahlreich: Man könnte Links auf verseuchte Seiten hinterlegen, sensible Daten anderer Personen quasi veröffentlichen oder frei erfundene Informationen in die Welt setzen, etwa durch gefälschte Profile bei Facebook und anderen Netzwerken. Bis der Betroffene das merkt, dürfte der Ruf ruiniert sein. Es sei denn, Ego-Recognizern wird so populär wie heute schon Ego-Googeln - als Teil der permanenten Identitätskontrolle im Netz.

Das gilt besonders, wenn die Gesichtserkennung auch dann noch funktioniert, wenn der Fotografierte in einer, sagen wir, suboptimalen Verfassung erwischt wird. Kotzend auf dem Bürgersteig vor einer Kneipe zum Beispiel. Ich habe Internetseiten mit Bildern von derangierten Managern nebst deren geschäftlichen Kontaktadressen vor Augen. Ganz zu schweigen von Bildmontagen. Elitestudenten, die Kinder auf einem Schulhof verprügeln etwa. Man wird sie finden, wenn man "Gesichtserkennung" und "Spaß" in eine Suchmaschine eingibt. Man wird diese Bilder kommentieren können, und in einem Punktesystem bewerten. Wahrscheinlich würde ich eine Kolumne über solche Webseiten schreiben.

Natürlich könnte auch jemand klassische Visitenkarten aus Papier herstellen und meinen Namen sowie jede Menge erfundener Angaben und Geschmacklosigkeiten draufschreiben. Aber das würde niemand ernst nehmen. Wäre ja nicht anklickbar.

Autor:  Patrick Beuth
Datum:  23 | 3 | 2010
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