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21. April 2010

Verlinkt: Manifest

 Von Patrick Beuth
Patrick Beuth ist Mitarbeiter der Magazin-Redaktion der FR. Foto: FR

Ein neuer Trend zeichnet sich im Internet ab: Wer etwas auf sich hält, muss jetzt ein Manifest veröffentlichen. Das klingt besser als "Blogpost" oder "Kolumne". Von Patrick Beuth

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Ein neuer Trend zeichnet sich im Internet ab: Wer etwas auf sich hält, muss jetzt ein Manifest veröffentlichen. Anfang des Jahres veröffentlichten Sabria David, Jörg Blumtritt und Benedikt Köhler ihr "Slow Media Manifest", in dem sie unter anderem für Zeitlosigkeit in Online-Medien eintreten. Ich setze das um, indem ich jetzt erst darüber berichte.

Ebenfalls im Januar ließ Internet-Pionier Jaron Lanier sein Manifest "You are not a gadget" auf die Menschheit los. Sein wilder technophilosophischer Ritt soll uns in ein chaotisch-kreatives Anti-Facebook-Internet führen, in eine Welt ohne Downloads, in der Künstler davon leben können, ihre Werke im Internet zu präsentieren.

Konsequenterweise gibt es das Werk bislang nur als Buch. Auf Papier. Für Geld. Was aber passieren kann, wenn man wichtige Informationen nicht im Lebensraum der Betroffenen veröffentlicht, hat Douglas Adams anschaulich in "Per Anhalter durch die Galaxis" beschrieben: Pläne zum Bau einer intergalaktischen Umgehungsstraße, der die Erde im Weg liegt, werden da auf Alpha Centauri ausgelegt. Erdbewohner kommen da nur selten hin - und werden deshalb gesprengt.

Aber zurück zum Thema: Starblogger Jeff Jarvis hat eine Grundrechtecharta für das Internet veröffentlicht. Der Journalistik-Professor fordert das Recht auf Vernetzung, auf freie Rede im Netz, auf Kontrolle über persönliche Daten sowie gleichzeitig auf Anonymität und auf Öffentlichkeit. Und nun kommt auch noch der US-Blogger Devin Coldewey mit seinem Manifest gegen Apple, Amazon und Sony. Er beklagt, dass Besitzer von iPhones und iPads, Kindle-E-Readern oder Playstations ihre Geräte nicht frei benutzen können, ohne sie zu hacken - obwohl sie ihnen gehören.

Die - freiwillig - Geknechteten sind eingeschränkt in der Wahl ihrer Applikationen und Betriebssysteme oder nicht Herr der rechtmäßig erworbenen Inhalte. Amazon hat das am eindrucksvollsten demonstriert, als es das E-Book "1984" ungefragt von den Lesegeräten seiner Kunden löschte. Dagegen darf man schon mal mit einem Manifest protestieren. Klingt eindrucksvoller als "Blogbeitrag". Oder auch "Kolumne".

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