Mein Smartphone versteht mich besser als meine Mutter. Das liegt nicht daran, dass ich mit ihm deutlich häufiger telefoniere als mit ihr. Mein Gerät ist noch smarter geworden, seitdem ich mir die App "Akinator" runtergeladen haben. Seitdem begrüßt mich nun immer, wenn ich diese Anwendung starte, ein Flaschengeist mit Turban und Kinnbart in gebrochenem Deutsch. Sein Verstand ist dagegen so scharf wie ein Sarazenen-Krummsäbel.
Das Spiel, das man auch im Internet auf akinator.com spielen kann, funktioniert so: Man denkt sich eine beliebige Figur. Diese kann real sein - Helmut Kohl - oder fiktiv wie das fliegende Pferd Pegasus.
Der Akinator versucht nun, diese gedachte Figur durch Fragen zu ermitteln, die man mit ja, nein, ich weiß nicht, wahrscheinlich oder wahrscheinlich nicht beantworten kann. Die Antworten werden über das Netz mit Datenbanken abgeglichen, und der Flaschengeist lernt seinen Besitzer kennen, je öfter dieser mit ihm spielt. Das lässt den Akinator schnell besser werden. Und so gut, dass er im Feuilleton der FAZ, wo eine gewisse Furcht vor den allmächtigen Algorithmen des Internets gepflegt wird, für Schweißausbrüche sorgen dürfte.
Die Fragen beginnen meist harmlos. Mann? Älter als 35? In Amerika bekannt? Nach solchen Dingen fragt die Software - und braucht für das Erraten von Helmut Kohl nur zehn Fragen. Bis zu Darth Vader sind es elf, der Pegasus dauert 25 Fragen. Ich habe das Spiel in den zurückliegenden Wochen mit Freunden, meinen Eltern - kroatische Politiker errät der Akinator spielend - gespielt, die Treffsicherheit ist unheimlich.
Gestern nun erzählte ich den Kollegen davon, sie wollten es ausprobieren. Franz Beckenbauer war ein Kindergeburtstag. An der zweiten Aufgabe verzweifelte der Akinator. Kollege M. hatte an seinen Zimmergenossen W. gedacht, der Akinator brauchte ungewöhnlich lange. Dann durfte W. sich jemanden ausdenken. Nach 55 Fragen gaben wir auf. Kollege W. hatte an den Schriftsteller Hermann Kant gedacht - wie W. aus Ostdeutschland. Der Akinator war offenbar zum ersten Mal auf Ossis getroffen und fremdelte. Aber er wird sicher schnell dazulernen.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.