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Verlinkt: Tipp oder stirb

480 Wörter in 20 Minuten: Patrick Beuth testet "Write or die" - ein Programm, das unkonzentrierten Autoren das Schreiben zur Hölle macht.

Nicht denken, schreiben! - Write or die lässt dem Autoren keine Zeit mehr zum Sinnieren. In Zeiten der Schreibmaschine war das noch anders. Seufz.
Nicht denken, schreiben! - Write or die lässt dem Autoren keine Zeit mehr zum Sinnieren. In Zeiten der Schreibmaschine war das noch anders. Seufz.
Foto: dpa

Dies ist ein Test. Ich schreibe diesen Text online, auf der Seite writeordie.drwicked.com. Write or Die, Schreib oder stirb, ist der Name einer kleinen Softwarebösartigkeit, die Menschen mit Schreibblockaden oder Aufmerksamkeitsdefizit helfen will, schneller mit Texten fertig zu werden - indem sie die Autoren bei Untätigkeit bestraft. Ich habe vor, diese Kolumne in 20 Minuten zu beenden. Man hat schließlich auch noch anderes zu tun.

Auf der Startseite stelle ich 480 Wörter und 20 Minuten ein, dazu den Konsequenzen-Regler auf "normal" und die Gnadenfrist bis zum Beginn der Sanktionen auf "streng". Zwei Sekunden ohne Texteingabe reichen in dieser Kombination aus, dann wird das Programm aktiv. Einmal gedanklich nach einem passenden Begriff suchen, schon verändert sich der Rahmen der Seite von weiß zu rosa zu schreiend rot. Dann wird Musik eingeblendet. Bei einem ersten Versuch vor einigen Tagen war das der berüchtigte Kinderliedermacher Raffi mit dem unsäglichen Song "Ring, ring, ring, Bananaphone". Heute ist es Rick Astley. In einer Endlosschleife. Ja, das ist grausam. Und es hört erst wieder auf, wenn man weiterschreibt. Aber mir reicht das nicht zur Selbstkonditionierung. Ich checke zwischendrin trotzdem Mails, Twitter und

Aahh, das Ding löscht Wort für Wort, was ich bislang geschrieben habe! Ich habe eben auf Kamikaze-Modus gestellt, weil mir Rick Astley nicht bösartig genug war. Dann habe ich testweise auf das Einsetzen schlimmerer Musik gewartet, aber Write or Die hat das einfach übersprungen und angefangen, von hinten weg meine Worte verschwinden zu lassen.

Das wirkt. Langsam werde ich hektisch. Noch 13 Minuten, bisher habe ich ungefähr 240 Wörter geschafft.

Aha, so trickst man die Höllenmaschine aus: Einfach ab und zu auf die Leertaste drücken und den entstandenen Raum wieder löschen. Dann glaubt das Programm, man sei aktiv. Bleibt man untätig, verschwindet der Text nach etwa 13 Sekunden von selbst, und zwar schnell.

Fast 300 Wörter. Eigentlich weiß ich nicht, was ich jetzt noch schreiben soll. Und die Software nervt so sehr, dass ich mir keinen ganzen Satz mehr ausdenken und ihn ausformulieren kann. Dabei ist dies nicht einmal die brutalste Einstellung. Der "Electric Shock Modus" ist aber offenbar vor Kurzem deaktiviert worden. Ich bin allerdings auch nicht sicher, ob ich den unbedingt hätte erleben wollen.

Ablenkung ausgeschlossen

Wer es doch härter braucht, kann sich für zehn US-Dollar die Desktop-Version von Write or Die herunterladen und dann offline schreiben. Als Bonus gibt es dann Foltermethoden wie "Disable Backspace - for increased evil", also die Deaktivierung der Löschtaste. Oder auch die Möglichkeit, das Textfenster nicht mehr minimieren zu können. Damit sind Ablenkungen durch aufpoppende Browser- oder andere Fenster endgültig ausgeschlossen.

Ok, Endspurt. Hmm, verdammt. Also, ich wollte noch irgendwie erwähnen, dass ich die Software gerne für einen Tag ins Feuilleton dieser Zeitung schmuggeln würde. Weil ich gerne mal sehen würde, wie sich die Denkerposen der Kollegen in einen Ausdruck nackter Panik verwandeln. Aber ich habe ein bisschen Angst, die Chefredaktion damit auf dumme Ideen ... uff, fertig.

Autor:  Patrick Beuth
Datum:  17 | 3 | 2010
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