Hanoi. Im kommunistisch regierten Vietnam ist ein prominenter Journalist entlassen worden, der in einem privaten Blog den Fall der Berliner Mauer gelobt hatte.
Huy Duc habe neben diesem zahlreiche weitere "provokative" Blogeinträge geschrieben, und es habe "Druck von oben" gegeben, den Mann zu entlassen, bestätigten mehrere Vertreter der staatlich kontrollierten Medien am Dienstag. Keiner wollte sich mit Namen nennen lassen. Vietnam war eines der kommunistischen Bruderländer der DDR. Die DDR lud tausende Studenten und Arbeiter ein, die teils mehrere Jahre dort verbrachten.
Huy Doc arbeitete in Ho-Chi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon, bei der Zeitung "Saigon Tiep Thi" und äußerte sich oft auf dem populären Blog "Osin". Vergangene Woche kritisierte er die sowjetische Unterdrückung der Länder Ost- und Mitteleuropas. "Ein Krieg kann nicht als Befreiungskrieg betrachtet werden, wenn die Menschen danach nicht in wirklicher Freiheit und Unabhängigkeit leben dürfen", schrieb er.
In Vietnam gilt dies als verdeckte Kritik an der eigenen Geschichte: der kommunistische Norden besiegte den mit den USA verbündeten Süden und nennt dies bis heute "Befreiungskrieg". In der 1976 gegründeten Sozialistischen Republik gelten bis heute Grundrechte wie freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit nicht.
Vietnam geht seit einigen Monaten rigoros gegen Blogger vor. Am Freitag war der Journalist Doan Trang von der Website Vietnamnet festgenommen worden. Er hatte Chinas Territorialansprüche im Südchinesischen Meer kritisiert. Blogger Bui Thanh Hieu wurde kurz zuvor festgenommen, nachdem er die Haltung der Regierung in einem Streit um Land mit der katholischen Kirche kritisiert hatte. (dpa)
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