Nach zweieinhalb Stunden hatte Nena keine Lust mehr. „Sag ich nicht“, antwortete sie Moderator Stefan Gödde auf die Frage nach ihren Favoriten. Die 51-Jährige hatte ihre Beine hochgezogen, umklammerte sie mit den Armen und sah auf ihrem roten Jurysessel aus wie ein trotziges Kind. „Ich finde, jetzt ist mal Schluss mit: ‚Wer ist hier der Beste und der Tollste.’ Darum geht es hier nicht mehr.“
Nun ja, zumindest offiziell ging es in der gestrigen, finalen Ausgabe von „The Voice of Germany“ genau darum: die wirklich beste Stimme der „besten Musikshow Deutschlands“ (Gödde) zu finden. Die vier Aspiranten Ivy, Max, Michael und Kim kämpften um diesen Titel, der vom Publikum vergeben wurde. Zusammengezählt wurden Anrufe, SMS und in zweifacher Wertung auch die Downloads der Kandidatensongs. Wie bei „Unser Star für Baku“ im Schwestersender ProSieben wurden immer wieder Zwischenergebnisse eingeblendet, bevor um 23:15 Uhr nach drei Stunden Finalshow die Gewinnerin feststand: die 19 Jahre alte Ivy Quainoo aus Berlin.
Trotzdem hatte auch Nena Recht: Wer die Show nun als Sieger beendet und wer als Zweiter oder Dritter, war fast zweitrangig geworden. Zwar wird Ivy für ihren Titel mit einem Plattenvertrag und einer Tournee belohnt. Aber auch die anderen drei Finalisten haben mit ihrer Stimme überzeugt, sich eine Fanbasis aufgebaut, sind mit ihren Singles bereits in den Download-Charts.
Gestern durften sie noch einmal ausführlich ihr Können zeigen; es galt einen eigenen Song zu singen, ein Duett mit einem internationalen Künstler und ein Duett mit dem jeweiligen prominenten Coach, also mit Nena, Xavier Naidoo, The Boss Hoss oder Rea Garvey. Ein großes Spektakel war diese letzte Show nicht, das wäre aber wohl auch gar nicht passend gewesen.
Die Kandidatin Ivy Quainoo ist die Siegerin der Castingshow "The Voice of Germany".
Foto: Jörg Carstensen/ dpaEs klingt banal, aber bei „The Voice of Germany“ ging es um die Stimme. So konnten die Kandidaten in der ersten Runde bei den „Blind Auditions“ die Jury nur mit ihrem Gesang für sich gewinnen, später mussten sie in „Battles“ gegeneinander antreten und wurden anschließend Ton für Ton von der Jury auseinandergenommen. Dann wurde es etwas ruhiger, mitunter auch langweiliger, aber das Gesangsniveau blieb hoch und machte manch dramaturgische Schwäche wett.
Dem Fernsehpublikum gefiel dieser eindeutige und ernsthafte Musikfokus: für die Sendung begeisterten sich selbst diejenigen, die mit dem Genre Castingshow normalerweise nicht viel anfangen können; Sat.1 konnte sich über vier bis fünf Millionen Zuschauer freuen, eine zweite Staffel ist schon in Planung.
Für so viel Erfolg gab es gestern sogar Lob von der Konkurrenz. Die Vox-Castingshow „X-Factor“ gratulierte via Twitter: „Die Kollegen von @TheVoiceGermany drehen richtig auf für's Finale. Glückwunsch!“
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