Medien

16. November 2012

Voice of Germany TV-Kritik : Auch die "Voice"-Jury muss noch üben

 Von Ricarda Breyton
Einige kennen ihn noch als Teeniestar aus der "Bravo": Gil Ofarim (links) kegelt Christiano de Brito aus dem Rennen. Foto: SAT.1/ProSieben/Richard Hübner

Bei den Battles von The Voice of Germany geht es zwar immer noch um die Stimme der Kandidaten, aber nun auch um die richtige Strategie. Mancher Juror greift bei der Songauswahl daneben..

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Als The BossHoss am Zug waren, brachten sie ihre Kandidaten in Stellung wie Schachspieler ihre Figuren auf dem Feld. Rob sollte antreten gegen das Duo Felix und Lucas. Madeleine hatte gegen Tiffany und MayaMoe zu singen. Alle waren in der Überzeugung, dass sie schon gewinnen würden, wenn sie gut sängen, denn darauf kommt es ja schließlich an bei The Voice of Germany. Doch ist die Battle Round eine schwierige Phase. Es geht hier zwar viel um Stimme, aber auch um Strategie.

In den Blind Auditions hatte allein das Gehör der Jury über das Weiterkommen eines Kandidaten entschieden, in den Live-Shows wird es der Zuschauer sein, der mitbestimmt. In dieser Phase aber hieß es für die Juroren, die Kandidaten des eigenen Teams zu selektieren. Das taten Nena, The BossHoss, Xavier Naidoo und Rea Garvey mit vollem Einsatz. Dabei war ihre Entscheidung nicht immer nachvollziehbar.

Miteinander und doch gegeneinander

Auch in der letzten Folge der Battle Round wurde per Duell entschieden, wer es in die Live-Shows schafft, die nächste Woche beginnen. Jeweils zwei Kandidaten eines Teams präsentierten gemeinsam einen Song, den ihr Mentor zuvor für sie ausgewählt hatte. Sie sangen miteinander und doch gegeneinander an. Denn nach dem Auftritt beschloss der jeweilige Juror direkt und im Alleingang, wen er behalten wollte und wen er rauskickte – eine Freiheit, über die er die ganze restliche Show über nicht verfügt.

Teamzusammensetzung, Songauswahl, Kriterien der Urteilsfindung – die Jurymitglieder hatten in der Battle Round viele Möglichkeiten, den Erfolg der Kandidaten zu lenken. Da sang Rob gegen das Duo Felix und Lucas. Es ging um einen 40-Jährigen gegen zwei „junge Jungs“. Um einen gestandenen Musicaldarsteller gegen zwei Laien. Felix und Lucas waren richtig gut, doch gegen den Experten fehlte ihnen die kleine Chance, die sie vielleicht gehabt hätten, wenn sie gegen andere Unerfahrene aus ihrer Gruppe angetreten wären.

Kritische Faktoren

Marcel sollte mit Nele „Summer Wine“ interpretieren, weil das so gut zu den beiden passte. Sagte Xavier Naidoo, dachte aber nicht Marcel, als er von der Songauswahl hörte. Nicht ganz zu Unrecht, denn Nele hatte die einfache Tonlage, in der ihre Stimme vollends aufblühte, während Marcel in der für ihn viel zu tiefen Lage herumbrummelte. Wer wie Madeleine, Tiffany und MayaMoe gleich zu dritt auftrat, weil es rechnerisch nicht anders aufging, hatte schon einmal per se schlechtere Chancen als all die anderen, die sich nur gegen einen Gegner zu behaupten hatten.

Es war ein kleines Durcheinander, diese letzte Folge der Battle Round, in der die Kommentare der Juroren nicht zur Erhellung beitrugen. „Christiano: Wow. Hammer. Ganz, ganz toll!“, kommentierte Xavier Naidoo den Auftritt des Newcomers Christiano und entschied sich dann doch für den alten Hasen Gil, dessen Stimme er „einfach mal ein bisschen entspannter“ hören wollte.

Und bei den Summer Wine-Interpreten gab er dem brummelnden Marcel den Zuschlag, obwohl dieser nun wirklich nicht in der gleichen Liga wie Nele sang. Wie groß die Diskrepanz zwischen Juror und Zuschauer war, zeigte ein Blick in das die Show begleitende und von ProSieben eifrig umworbene Online-Tool. Dort hatten sich 67% der Nutzer für Nele ausgesprochen.

Es ist ein konzeptionelles Problem und keines der Juroren, wie die stets höflich verwandte Formel „Ich gehe mit…“ zeigt, die die Juroren jedes Mal benutzten, wenn sie sich für einen Kandidaten entschieden. Sie wollten ihre Kandidaten nicht einfach mit in die nächste Runde nehmen, sie wollten mitgenommen werden. Und hatten doch alles allein entscheiden.

Wie kritisch manche Faktoren der Battle Round in der ansonsten durchaus fairen Show sind, haben die Juroren selbst erkannt. „Unter diesen Voraussetzungen ist keine Entscheidung möglich!“, bemäkelte The BossHoss die in ihren Augen unfaire Songauswahl von Rea Garvey. Sie wollen die anderen Mentoren nun coachen in puncto Kandidatenförderung. Aber ob die von den beiden etwas lernen können?

Diese Kandidaten sind noch im Rennen:

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