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Medien

26. Oktober 2012

Voice of Germany TV-Kritik : Unterhaltsam und manchmal zu perfekt

 Von Felix Brumm
Lauschen nun neuen Kandidaten: Nena und rechts von ihr Xavier Naidoo, umrahmt von den HossBoss und Rea Garvey. Foto: dpa

„The Voice of Germany“ gilt als seriöse Casting-Show. Kein Wunder, wenn man fast nur Profis einlädt. Und doch gehören zum Erfolgsgeheimnis noch ein paar ganz andere Zutaten.

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Der Vorspann gleicht einer Media-Markt-Werbung. Das Studio: eine üble Mischung aus Blade Runner und „Geh aufs Ganze“. Aber bei „The Voice of Germany“ geht es ja nicht ums Aussehen, sondern um außergewöhnliche, tolle Stimmen. Und davon bekommt man hier ziemlich viele zu hören. Zwei Stunden lang werden sie wie Bonbons ins Publikum gefeuert.

Sie gehören zu ganz verschiedenen Menschen: einem schüchternen Geschwisterpaar aus Bayern, einer Österreicherin, die früher gemobbt wurde und „It’s A Man’s World“ singt, als wäre sie James Brown; oder einem Afro-Amerikaner aus dem Pott, der in Rüschenhemd und Lederstiefeln aussieht wie ein Mix aus Rick James und dem Grafen der Band Unheilig.

ProSieben filtert vor

Obwohl es nur um die Stimme geht, wie immer wieder betont wird, sehen alle Kandidaten ziemlich gut aus und haben unheimlich bewegende Geschichten. Da hat ProSieben vorgefiltert. Das Gute daran: niemand wird vorgeführt, niemand mit geskripteten Hasstiraden runtergeputzt. So erscheint die Sendung in großen Teilen direkt pädagogisch wertvoll, manchmal aber auch etwas zu perfekt. Denn hier werden kaum Nachwuchs-Talente entdeckt. Viele Kandidaten verdienen ihr Geld bereits mit Musik, als Profis.

Da gibt es Dimi, die in einer bayerischen Rockband singt. Oder Nathalie, ebenfalls buchbare Sängerin, deren Freund es in der letzten Staffel weit brachte. Ex-Teeniestar Gil Ofarim, heute 30 und gepierct, will es bei „The Voice“ nochmal wissen. Und Kandidatin Jenny kennt den Moderator noch aus gemeinsamen Schauspieler-Jahren bei „Verbotene Liebe“.

Dann wiederum treten ungeschliffene Talente auf, wie der 21-jährigen Keye aus Berlin, der mit Iro, falschen Wimpern, Schminke und Minikleid aussieht wie das Kind von Lady Gaga und David Bowie. Oder die Rechtsanwaltsgehilfin July, die mit ihrer Zurückhaltung begeistert.

Auch nur eine Casting-Show

„The Voice“ ist das seriöse DSDS, heißt es oft. Mit diesem Mythos muss man aufräumen. Auch „The Voice“ ist letztlich eine Casting-Show. Es gibt eingespielten Zuschauerjubel und viele schlechte Schnitte. Auch hier werden bewegende Schicksale mit Jugendfotos und Filmmusik unterlegt. Dann schreiten strahlende Menschen in Slow-Motion den grau gepflasterten Bürgersteig entlang zur Mehrzweckhalle, wo die Sendung aufgezeichnet wird. Und nach den Auftritten stürzen bunte Großfamilien ineinander zusammen vor Glück. Auch in Voiceofgermanyland regieren die Gefühle.

Aber das kann man der Sendung verzeihen. Dass sie so gut funktioniert, liegt vor allem an der Jury. Anders als Dieter Bohlen sind Rea, Nena, Xavier Naidoo und The Boss Hoss Stars, deren Musik man ohne Schamgefühl hören kann. Vor allem sind sie enthusiastische Juroren. Es ist ihnen tatsächlich egal, wie die Kandidaten aussehen. Sie streiten sich um sie, versuchen sie in ihr Team zu locken und einander auszustechen. Das ist so unterhaltsam wie die Auftritte selbst. Und man denkt: Wow, gute Show!

Talente von Karlstadt bis Aschaffenburg

Nebenbei zeigt die Sendung, wie bunt Deutschlands Jugend heute ist und wie viel Talent in Orten wie Karlstadt oder Aschaffenburg schlummert. Die Kamera schwenkt in HD über Lübeck. Wir lernen das Krankenhaus von Witten kennen. Gepflegte Rabatten davor. Und drinnen Putzfrau Brigitte – über ihre Einladung zu den „Blind Auditions“ vor Freude überwältigt. Da erleben Menschen ihre fünf Minuten Ruhm – ohne vorgeführt zu werden.

Weil das so gut ankommt, teilte ProSieben/Sat.1 gestern mit, nun auch einen Show-Ableger für Kinder zwischen 8 und 14 Jahren zu planen. Auch RTL zeigte einmal eine Junior-Ausgabe von „Deutschland sucht den Superstar“, hatte damit aber keinen Erfolg. Natürlich geht es auch ProSieben/Sat.1 nicht nur um tolle Stimmen, sondern auch um Quote. Wenn die Sendergruppe ihr gutes Konzept nicht verspielen will, muss sie jedoch lernen, Maß zu halten. Schon heute Abend kommt die nächste Folge. In einem solchen Takt wird aus einzigartigen Stimmen schnell ein ätzendes Stimmengewirr.

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