Man hätte sich die Arbeit wirklich sparen können: Warum die riesigen und unpraktischen Jurorenstühle nach Berlin-Adlershof schleppen, wenn sie doch gar nicht gebraucht wurden? Gefühlte 180 von 190 Minuten Sendezeit standen die Teamchefs Nena und Rea Garvey, oft auch The BossHoss oder Xavier Naidoo und klatschten im Takt, schwangen beseelt die Hüften oder trommelten vor Freude. Sie hatten eine gute Show, sie hatten tolle Leute und waren wahnsinnig stolz auf alles und überhaupt.
Keine Frage: In Isabell Schmidt, James Borges, Michael Lane und Nick Howard präsentierten sie vier Finalisten, die es alle drauf haben. Nick begeisterte mit seinem Song „Unbreakable“, den er in New York über den Wirbelsturm Sandy geschrieben hatte. Seine helle Stimme machte sich auch im Duett mit Rea Garvey gut.
Ganz anders war es bei James, der mit seinem flotten Song „Lonely“ vor allem unterhalten wollte – und dem das auch bestens gelang. Isabell hingegen überzeugte besonders zusammen mit der Newcomerin Birdy. Welche Stimme gehörte da eigentlich wem? Das war kaum auszumachen. Allein Michael fand bei Leona Lewis nicht den richtigen Ton. Aber was machte das schon zwischen all den Spiegeln, Feuerduschen und Sternschnuppen, die vom Studio-Himmel fielen?
Wie beim letzten Jahr lag die finale Entscheidung beim Publikum. Gewählt wurde per Telefon oder Kreditkarte – ein kostenpflichtiger Download des Lieblingssongs zählte doppelt so viel wie ein Zuschaueranruf. Mit 41,04% für Nick Howard war das Ergebnis dann mehr als eindeutig – doch ging es bei der Finalshow wirklich nicht um den Einzelnen, sondern ums große Ganze.
Gefeiert wurde von allen, mit allen und für alle. Wie geil ist es eigentlich, dass man sich mit Robbie Williams, Emelie Sandé, Leona Lewis, Birdy und Nelly Furtado fünf internationale Top-Stars auf die Bühne geholt hatte? Und war die Band nicht einfach unfassbar?
Als Gaststar des Abends tritt ein nicht ganz unbekannter britischer Musiker auf ...
Foto: dpaHätten nicht alle permanent alle gelobt, die Show wäre tatsächlich perfekt gewesen. So aber wurden die vielen Plattitüden auf Dauer anstrengend. „James: Wow!“, „Isabell, ganz, ganz toll!“, „Megageil mit Xavier auf der Bühne!“ –: es waren inhaltsleere Satzfetzen, die den Kandidaten um die Ohren flogen und die sie selbst von sich gaben.
Hier wäre ein bisschen weniger mehr gewesen. Auch die Schaltung in die „Weblounge“ hätte man sich sparen können. Doris Golpashin hüpfte hier zwischen den Kandidaten hin und her und blamierte sie mit nicht sehr ausgefeilten Fragen. „Wussten Sie eigentlich, dass James sich in Sie verliebt hat?“, fragte sie Top-Star Nelly Furtado, die mit dem Fast-Star auf der Bühne zu stehen hatte. Und: „Hey Nick: Willst du wissen, wer ,The Voice’ wird?“
Ein fleißiger Anrufer endete mit einem Golf, weil er mitgewählt hat – ebenso Nick, der Gewinner. Losdüsen darf er nun aber nicht. Denn das Leben in der großen Voice-Family geht weiter. Ab dem 27. Dezember touren die acht Halbfinalisten durch Deutschland.
Was sie von sich geben, kann und sollte man sich anhören. Beim Live-Konzert gibt’s ja dann auch keine Weblounge – dafür eine Flow-Garantie. Nena, was nimmst du eigentlich, um stets so easy-going zu sein? Geil, voll geil, muss das Zeugs sein.
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