Der Verleger Axel Springer wusste was es heißt, Einfluss auszuüben. Etwa als er spitzbekam, dass die ARD eine Serie mit dem Titel "The Unknown War" ins Programm heben wollte.
Er diktierte seiner Sekretärin eine Nachricht an den "Lieben Franz Josef", die Verteidigungsminister Strauß an der französischen Mittelmeerküste erreichte und in der es hieß, es sei "wohl an der Zeit, dass Du Dich persönlich um den Skandal kümmerst". Die Produktion sei schließlich "ein Machwerk der Sowjets, in das sich kommerzielle amerikanische Interessen haben hineinziehen lassen". Springers "gute Wünsche für den Urlaub" passierten allerdings auch die deutsch-deutsche Grenze. Briefe wie diese, gerichtet auch an Kanzler und US-Präsidenten, speisten über Jahrzehnte ein Dossier der Stasi. Die DDR-Agenten hatten den Verleger ebenso im Visier wie dessen Blätter, die auf Linie ihres Chefs gegen den Unrechtsstaat schossen, wo sie nur konnten und DDR stets in Anführungszeichen setzten.
Das Kommando hieß "Bespitzelt Springer!" - wie auch der Film des Autors Tilmann Jens, der heute im Ersten läuft. In der Dokumentation ist von einem "richtig großen Spionagestoff" die Rede. Etwa der Sekretärin, die im Film Rosi heißt. Sie soll Papiere des Verlegers "augenblicklich" an einen Kontaktmann der Stasi im Westen "durchgereicht" haben, heißt es im Film, der sich auf Stasi-Akten stützt.
Jens stieg einer heute 70-Jährigen hinterher, die er für Rosi hält. Weil die aber beteuere, abgeschöpft worden zu sein und Anwälte engagiere, müsse man die Frau, von der Stasi mit Ananas, Schmuck und Porzellan "bei Laune" gehalten, hinter einem Pseudonym verstecken.
Der Verlag wurde nicht unterwandert, obwohl die Stasi dafür eine Hundertschaft abstellte. Und man erfährt, wie die DDR-Spitze gegen Springer schoss, etwa in einem 600-minütigen Fünfteiler des DDR-Fernsehens, der den Verleger als impotenten Säufer diffamierte und ihn Herbert Wehner anbiedern ließ, am Urinal.
In den Sendeunterlagen heißt es, Springer werde als "journalistische Missgeburt" präsentiert. Oder aber mit der "Neuen Bild-Zeitung", die im Westen verteilt wurde. Sie traf zwar den Tonfall der echten "Bild" und zeigte leicht bekleidete "Mauerblümchen" auf der Eins, war aber dennoch leicht als Ostpostille zu entlarven. Der heutige Verlagschef Mathias Döpfner ließ es sich übrigens nicht nehmen, den Film vorab zu sehen. Im Berliner Filmmuseum war er am Montagabend aber nur ein stummer Gast, als sein "Welt"-Chefredakteur Thomas Schmid betonte, Springers Einsatz für die Freilassung von Stasi-Gefangenen werde ausgeblendet, der Verleger dafür aber als das Böse in der Phase der 68-er dargestellt. Schmid sagte, da solle sich jeder sein eigenes Bild machen - und kündigte an, sein Verlag werde bald alle Artikel von "Bild" & Co. aus dieser Zeit ins Netz stellen.
"Bespitzelt Springer!", ARD, 23.15 Uhr.
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