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Wallander-Krimis: Wenn es dunkel wird in Schweden

Bei Krimi-Autor Henning Mankell sind Weltschmerzpathos und großspurige Posen wichtiger als Handlungslogik. Jetzt zeigt die ARD die Verfilmung "Kommissar Wallander". Der gebürtige Ire Kenneth Branagh spielt die Hauptrolle. Von Harald Keller

Schöne Landschaft, finstere Gedanken.
Schöne Landschaft, finstere Gedanken.
Foto: Yellow Bird/ard

Der Erfolg der Wallander-Krimis des schwedischen Autors Henning Mankell ist ohne weiteres erklärbar, nicht aber die Wertschätzung, die ihnen allseits entgegengebracht wird. Denn Mankell ist alles andere als ein Feinmechaniker der Spannungsliteratur, wie die Gewaltszenarien (brennende Schwäne!) zeigen, mit denen er viele seiner Krimis eröffnet, grelle, genüsslich ausgemalte Horrorbilder (brennende Schwäne?), die kein literarisches Können erfordern - jeder Groschenromanautor kennt und beherrscht diese Masche. (Brennende Schwäne!!)

Bei Mankell sind Weltschmerzpathos und großspurige Posen wichtiger als Handlungslogik. Das galt auch für die früheren Verfilmungen seiner Romane, sei es der skandinavisch-deutsche Zyklus mit Rolf Lassgård oder der jüngere mit Krister Henriksson, der in Zusammenarbeit mit der ARD-Tochter Degeto entstand. Die Degeto war wiederum an der internationalen Koproduktion "Kommissar Wallander" beteiligt, in der Kenneth Branagh die Titelrolle innehat. Ferner fungiert der gebürtige Ire als ausführender Produzent. Branagh, dem geschulten Theatermimen, ist nicht zu trauen, sobald er vor eine Kamera tritt, aber als Wallander - unrasiert und verlebt - stellt er alle Manierismen ab und gewährt der Figur den Vortritt. In Branaghs Darstellung wird der schwermütige Schwede zur glaubwürdigen Gestalt, während er in früheren Filmversionen nur als Idee herumgeisterte.

Drei Mal in der ARD

Kenneth Branagh als Kommissar Wallander

"Die falsche Fährte", Fr. "Die Brandmauer", So. "Mittsommermord", Mo.

jeweils 21.45 Uhr, ARD

Auch die Autoren, Regisseure und Kameraleute erheben sich über ihre Vorgänger. Richard Cottan, der Autor des Auftaktfilms "Die falsche Fährte", trieb dem Stoff so manchen Unfug aus, der auf Mankell zurückgeht. Bei der früheren Verfilmung hatte der geschäftstüchtige Bestsellerautor selbst das Drehbuch verfasst. Sein Mörder schlich barfüßig an die Tatorte und hinterließ den Polizisten die schönsten Sohlenabdrücke. Dennoch benötigte der begriffsstutzige Trampel Wallander zwei Folgen, ehe ihm aufging, dass es sich bei dem Täter um ein Kind handelte. Leider greift auch Cottan wieder auf billige Tricks zurück, wenn er Wallander nach einem unerklärlichen Geistesblitz an einen abgehalfterten Journalisten geraten lässt, der ihn immer dann mit Hintergrundwissen versorgt, wenn die Polizisten auf der Stelle treten.

Auch der zweite Film "Die Brandmauer" ist keine Freude für Zuschauer, die gern mitdenken. Am Vorabend der Mittsommernacht fällt in Ystad der Strom aus, und die gesamte Stadt versinkt in Finsternis. Gegen neun Uhr abends - in einer Jahreszeit, in der selbst in unseren Breiten noch hellichter Tag herrscht. Den brillanten Regisseuren gelingt es beinahe, solche Patzer zu überspielen. Philip Martin und Niall MacCormick ("Die Brandmauer") arbeiten mit gebrochenen Perspektiven, geringer Schärfentiefe, angeschnittenen Bildern und unerwarteten Schnitten aufs Umfeld der handelnden Personen.

In Kombination mit der Musik von Martin Phipps entstehen eindringliche Sequenzen, mal bedrohlich, mal bedrückend; Ausdruck der getrübten Wahrnehmung eines übermüdeten und durch privates Ungemach abgelenkten Ermittlers. Bildführung und Schnitt ist es zu verdanken, dass bei "Die Brandmauer" zeitweilig tatsächlich Spannung aufkommt. Rätselhaft bleibt, warum bei sechs beteiligten Produktionspartnern niemand Einwände gegen die halbgaren Drehbücher erhoben hat.

Autor:  HARALD KELLER
Datum:  29 | 5 | 2009
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