Wie der Anwalt der Großaktionärin in der Nacht zum Dienstag verlauten ließ, hat Petra Grotkamp der Erbengemeinschaft des WAZ-Mitgründers Erich Brost 50 Prozent an der Mediengruppe abgekauft. Ein entsprechender Vertrag sei unterzeichnet worden, das Kartellamt habe für den Deal bereits grünes Licht gegeben.
Damit verfügt Grotkamp nun über 66,66 Prozent der WAZ-Anteile. Nach früheren Medienberichten liegt der Kaufpreis bei einer halben Milliarde Euro.
Die Gründer der WAZ, der Sozialdemokrat Erich Brost und der Christdemokrat Jakob Funke, waren je zur Hälfte Eigentümer des Unternehmens.
Diese 50:50-Aufteilung wurde auch über die nachfolgenden Generationen zwischen beiden Familien aufrechterhalten.
Brost vererbte seinen Anteil an seine Frau Anneliese und seinen Geschäftsführer Erich Schumann. Die wiederum vererbten an Brosts Enkel. Mitgründer Funke vererbte seine Hälfte zu gleichen Teilen an seine Töchter.
Dass Brost und Funke für alle Entscheidungen Einstimmigkeit vorgeschrieben hatten, erwies sich für ihre Erben oft als Hürde, da schon innerhalb der Funke-Gruppe häufig unterschiedliche Interessen herrschen.
Funke-Tochter Petra Grotkamp stockt jetzt mit der Übernahme der Brost-Hälfte ihren Anteil auf zwei Drittel auf.
WAZ bleibt in Familienhand
Deutschlands drittgrößter Zeitungskonzern bleibt damit weiter in Familienhand. Grotkamp erhofft sich durch die klaren Gesellschaftsstrukturen schnellere Geschäftsentscheidungen. Bislang mussten sich die Eignerfamilien bei wichtigen Weichenstellungen immer einigen.
Der Essener Großverlag gehörte zu jeweils 50 Prozent den Nachfahren seiner Gründer: den drei Brost-Enkeln, deren Anteil in einer Holding gebündelt ist, und den Töchtern von Jakob Funke. Petra Grotkamp ist Tochter des WAZ-Mitgründers Funke und Ehefrau des langjährigen Verlagschefs Günther Grotkamp.
Eine der größten Transaktionen der Zeitungsbranche
Die Transaktion, die vor fünf Monaten angekündigt wurde, ist eine größten in der deutschen Zeitungsbranche, die seit Jahren mit sinkenden Anzeigenerlösen und Auflagen kämpft. Die WAZ-Gruppe („Westdeutsche Allgemeine“, „Neue Rhein/Neue Ruhr-Zeitung“, „Westfälische Rundschau“) ist der größte Regionalzeitungsverlag in Europa.
Mit seinen 15.000 Mitarbeitern kommt der Konzern auf 1,1 Milliarden Euro Jahresumsatz.
Axel-Springer-Verlag geht leer aus
Leer geht der Axel-Springer -Verlag aus. Der Berliner Konzern hatte versucht, den Weiterverkauf an Grotkamp zu torpedieren. Springer versuchte, einzelne Teile des Konzern wie etwa die Online-Aktivitäten zu kaufen.
Den WAZ-Gesellschaftern winkte der „Bild“-Herausgeber dafür mit gut 300 Millionen Euro, hatte eine mit dem Gebot vertraute Person seinerzeit gesagt. WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus hatte das Übernahmeangebot zurückgewiesen und Springer vorgeworfen, sich wie ein „Finanzhai“ zu verhalten.
Grotkamp wurde beim Kauf von den Banken Rothschild und UniCredit beraten. Die Finanzierung wurde ebenfalls von der UniCredit sowie der Bayerischen Landesbank und der Deutschen Bank aufgestellt. (rtr)
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