Wenn Mitte Februar 2010 Thomas Schmid die Chefredaktion der Welt-Gruppe an Jan-Eric Peters übergibt, ist das nicht nur ein Generationenwechsel. Schmid, Jahrgang 1945, ist ein Freund des auf Papier gedruckten Wortes. Diese Tradition wolle er hochhalten, erst recht im Zeitalter der beschleunigten Nachrichtenproduktion, sagte Schmid, als er sich im Juli 2006 als Chefredakteur der Welt vorstellte. Damals war er noch Politikchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Doch er kannte die Welt, hatte er doch bis 2000 deren Meinungsressort geleitet.
Nach Frankfurt wechselte er damals, nachdem Mathias Döpfner, sein Freund aus gemeinsamen Tagen bei der Wochenpost, die Welt-Chefredaktion abgegeben hatte, um Vorstandschef des Springer-Konzerns zu werden.
Als Schmid, der vom radikal-linken Springer-Gegner zum konservativen Springer-Treuen mutierte Intellektuelle, zur Welt zurückkehrte, hieß ihn die Redaktion willkommen. Immerhin war sie Roger Köppel losgeworden, der in die Schweiz zurückging und Verleger der Weltwoche wurde.
Schmid erwies sich als beständiger Chefredakteur, der Leitartikel fast wie am Fließband schrieb. Das Managen der Redaktion war seine Sache hingegen nicht. Er gilt als wenig kommunikativ, als einer, der sich bei Konflikten ins Büro zurückzieht.
Anders Peters, Jahrgang 1965. Er zeichnet sich durch Zugänglichkeit und gutes Auftreten aus. Er twittert, bloggt und ist natürlich bei Facebook unterwegs. Anstatt über Politik zu grübeln und Leitartikel zu schreiben, zieht er es vor, an neuen Redaktions- und Blattkonzepten zu basteln. Mit ihm, der schon einmal Chefredakteur von Berliner Morgenpost und Welt war, sind Fusion und Ausdünnung der bis 2002 eigenständigen Redaktionen verbunden. Er war es, der sich vor gut fünf Jahren - zu dieser Zeit war er übrigens Herausgeber der Welt - die kleinformatige Welt Kompakt ausgedacht hat. Weitere Konzepte des zeitweiligen Max-Chefredakteurs, der mit Döpfner seit gemeinsamen Tagen bei der Hamburger Morgenpost befreundet ist, wurden nie realisiert. Zuletzt beschränkte sich seine Arbeit darauf, die Springer-Journalistenschule zu leiten. Was wird Peters anders machen? Es gehe um die "Weiterentwicklung und verstärkte Integration aller Print- und Online-Angebote", sagt Springer-Chef Döpfner. Wer weiß, womöglich wird wahr, was aktuell wieder lauter erzählt wird: dass die Welt auf Tabloid-Format schrumpft. Wie sagte Schmid 2006, am Tag seiner Berufung zum Welt-Chefredakteur? Die mögliche Umstellung der Welt auf Tabloid sehe er skeptisch. Daraufhin passierte auch nichts dergleichen. Im Frühjahr 2009, als sich der Abgang von Christoph Keese als Chefredakteur der Welt am Sonntag abzeichnete, sollen schon einmal Gespräche geführt worden sein, ob Schmid Herausgeber der gesamten Zeitungsgruppe werden sollte und ein Jüngerer Chefredakteur. Stattdessen übernahm Schmid Keeses Posten zusätzlich. Nun wird er doch Herausgeber und tut, was er ohnehin am liebsten tut: Leitartikel schreiben und sich, so Döpfner, in "Ergänzung der Chefredaktion um die Funktion eines für die publizistische Ausrichtung der Gruppe verantwortlichen Herausgebers vollständig inhaltlich-journalistischen Fragen widmen".
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.