Mit großer Aufmerksamkeit haben die Medien den politischen Umbruch in Nordafrika verfolgt. Weitgehend unbemerkt von westlichen Medien sind aber auch südlich der Sahara die Menschen auf die Straße gegangen: In Gabun, Djibouti und dem Sudan haben Tausende gegen ihre Regierungen demonstriert.
„Die Leute auf dem ganzen afrikanischen Kontinent sind inspiriert von den Protesten im Norden“, sagt Firoze Manji von Pambazuka News, einem Online-Informationsdienst für soziale Gerechtigkeit in Afrika, „und wir werden erleben, wie sich das über ganz Afrika ausbreitet.“
Bisher merkt man davon wenig: Die Sicherheitskräfte greifen bei den Protesten hart durch. In Gabun ist der Staat mit Tränengas gegen Demonstranten vorgegangen; im Sudan wurde sexuelle Gewalt gegen Oppositionelle eingesetzt.
Internationale Medien haben auf diese Entwicklungen kaum reagiert. Selbst über die Elfenbeinküste, die sich seit den Wahlen im November 2010 in einer schweren politischen Krise befindet und kurz vor einem Bürgerkrieg steht, liest und hört man erstaunlich wenig. Charlie Beckett, Leiter des Journalismus-Think-Tanks Polis an der London School of Economics, sieht dafür mehrere Ursachen: Die Proteste seien viel schwächer als in Nordafrika; zudem sei die geopolitische Bedeutung eines Staates wie Gabun gering. Und noch ein dritter Faktor sei wichtig: „Das ist einfach nichts Neues“, sagt Beckett. Die Proteste in Tunesien, Ägypten und Libyen seien völlig überraschend gekommen, so der Forscher. „Da gab es einen Wow-Faktor. Aber in anderen afrikanischen Staaten passiert so etwas dauernd.“
Der US-Netzforscher Ethan Zuckerman von der Universität Harvard gibt sich damit nicht zufrieden. Er hat das Online-Netzwerk Global Voices mitgegründet. Die Webseite will denen eine Stimme geben, die in den Medien sonst kaum zu Wort kommen. Hier wird aus Blogs und Bürgermedien aus der ganzen Welt berichtet. Sie haben während der Unruhen in Nordafrika und dem Nahen Osten große Bedeutung für die Berichterstattung gewonnen. Der Nachrichtenumfang habe durch soziale Medien stark zugenommen, so Beckett.
Doch mehr Informationen führen nicht automatisch dazu, dass vielfältiger dargestellt wird, was in der Welt geschieht. In seinem Blog „My heart's in Accra“ formuliert Zuckerman die These, dass es vor allem an sozialen Medien und dem Satellitenfernsehen liegt, dass man so viel aus Nordafrika und so wenig vom Rest des Kontinents hört. „Häufig scheinen wir eine kleinere Auswahl an Geschichten abzudecken als früher, dafür aber in größerer Tiefe“, so Zuckerman.
Für die Staaten südlich der Sahara ist das eine düstere Prognose. Beckett zufolge sind soziale Medien und das Satellitenfernsehen wichtig, um Nachrichten nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb eines Landes zu verbreiten. Nach Schätzungen haben aber nur zehn Prozent der Menschen auf dem afrikanischen Kontinent einen Online-Zugang; nimmt man verhältnismäßig gut ans Internet angebundene Staaten wie Ägypten, Tunesien und Südafrika aus, dürften es noch weitaus weniger sein. Einen panafrikanischen Fernsehsender nach dem Vorbild von Al Dschasira gibt es nicht; wichtigste Kommunikationsmittel bleiben in den meisten Staaten weiterhin das Radio und das Mobiltelefon.
Doch damit lässt sich nur schwer internationale Medienaufmerksamkeit herstellen. So stellte auch der Twitterer „Liberationtech“ am 24. Februar, einen Tag nach kleineren Protesten in Kamerun, fest: „Die Medien werden über Kamerun/Gabun nicht viel berichten. Demonstranten müssen Twitter und Facebook benutzen und Berichte an Al Dschasira schicken.“
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.