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15. Januar 2013

Wetten dass...?: Schleichwerbung: ZDF wehrt sich

 Von Ulrike Simon
Wette mit Auto, in diesem Fall ganz ohne Schleichwerbung.  Foto: Dpa/Andreas Gebert

Das ZDF dementiert, Thomas Gottschalk ist persönlich verletzt und die Sponsoren sehen bei sich keine Fehler. Der Vorwurf der Schleichwerbung bei „Wetten, dass..?“ stößt auf teils heftige Empörung. Dennoch soll sich der ZDF-Fernsehrat mit den Vorgängen befassen.

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Die vom Magazin Spiegel erhobenen Vorwürfe gegen die Brüder Thomas und Christoph Gottschalk, sie hätten bei der ZDF-Sendung „Wetten, dass..?“ gegen hohe Geldzahlungen systematisch unzulässige Werbeauftritte für Unternehmen organisiert, ziehen Konsequenzen nach sich. Dabei sollen auch Versäumnisse des ZDF untersucht werden. Ruprecht Polenz, Vorsitzender des ZDF-Fernsehrats, sagte der Berliner Zeitung am Montag, dass sich sein Gremium in der nächsten Sitzung am 8. März mit dem Vorgang befassen werde. Zu konkreten Fragen, etwa, inwiefern der Fernsehrat seiner Aufsichtspflicht nachgekommen sei oder Einsicht in die vom Spiegel dokumentierten Verträge hatte, wollte sich Polenz nicht äußern. Er wolle zunächst die Stellungnahme von ZDF-Intendant Thomas Bellut abwarten, sagte er.Der Spiegel hatte berichtet, dass die Firma Dolce Media des Gottschalk-Bruders über Jahre hinweg Autoherstellern Schleichwerbung in „Wetten, dass..?“ ermöglicht habe, indem sie gegen Millionensummen Werbebotschaften in Gewinnspielen und sogar redaktionelle Einflussnahme auf die Produktpräsentation zugelassen hätten. Es habe Verträge zunächst mit DaimlerChrysler und dann mit Audi gegeben. Letzteres kann der Spiegel indes nicht belegen. Es geht um einen Zeitraum von 2003/2004 bis in die Gegenwart.

Erkennbar Unterhaltung

Dabei gelten seit 2004 strengere „ZDF-Richtlinien für Werbung, Sponsoring, Gewinnspiele und Produktionshilfen“. Danach ist es zulässig, dass bei Gewinnspielen „auch positive Eigenschaften des Preises“ hervorgehoben werden. Der Werbeeffekt werde „in Kauf genommen, weil es bei Gewinnspielen für die Zuschauer erkennbar nicht um sachliche Information geht, sondern unterhaltende Elemente im Vordergrund stehen“. Über die Einhaltung der Richtlinien wacht eine Clearingstelle.

Die ist allerdings nur in einem einzigen Fall bei „Wetten, dass..?“ aktiv geworden, weil „die Präsentation des Preises durch den Moderator nicht den Vorschriften“ entsprochen hat, wie ein ZDF-Sprecher bestätigt. Die Clearingstelle habe „unmittelbar nach der Sendung einen Hinweis auf eine unübliche und grenzwertige Preispräsentation in der Sendung gegeben. Dieser Einschätzung hat sich der damalige Programmdirektor Thomas Bellut angeschlossen und Moderator und Redaktion auf die Einhaltung der ZDF-Gewinnspielregeln deutlich hingewiesen.“

2004 seien zudem die redaktionellen Gewinnspiele reduziert und ein zentrales Genehmigungsverfahren eingeführt worden, heißt es beim ZDF. Dazu gehöre, dass die Wetten ausschließlich von Zuschauern vorgeschlagen und weder von dritten Unternehmen noch dem ZDF konzipiert werden: „Jede eingereichte Wette wird von der Clearingstelle darauf geprüft, ob sich hinter ihr kommerzielle Absichten verbergen könnten.“

Geld, etwa von Automobilherstellern, habe das ZDF nicht erhalten, sagt der ZDF-Sprecher – wohl aber die Gottschalk-Firma Dolce Media, wie aus dem Spiegel-Artikel hervorgeht. Hat es das ZDF Dolce Media also womöglich überlassen, Vereinbarungen zu treffen, die dem öffentlich-rechtlichen Sender selbst untersagt wären? Das ZDF beharrt darauf, keine Erkenntnisse darüber zu haben, dass Schleichwerbung bei „Wetten, dass..?“ stattgefunden habe: „Einflussnahme von Dritten auf redaktionelle Entscheidungen gab es nicht“. Im Übrigen sei Dolce Media nicht berechtigt gewesen, das ZDF gegenüber Dritten zu verpflichten – etwa zu Regieanweisungen, Dauer und Präsentation der zur Verfügung gestellten Produkte. Laut Spiegel war dem aber genau so. Wenn das zutrifft, hat das ZDF zumindest fahrlässig gehandelt.

Der Vertrag läuft aus

Das ZDF erklärt, dass die Zusammenarbeit mit Dolce Media mit dem Ausscheiden von Thomas Gottschalk auslaufe. „Eine Vermarktung von Markenrechten und die Akquise von Gewinnspielpreisen aus einer Hand gibt es heute nicht mehr. Soweit „Wetten, dass..?“-Lizenzen vermarktet werden, sei dafür das Tochterunternehmen ZDF-E zuständig. Es gebe lediglich noch eine durch Dolce Media vermittelte Bereitstellung von Gewinnspielpreisen, die Audi betrifft. Sie ende im Sommer.

Als Beleg dafür, dass es keine Vereinbarung gebe, die andere Automarken außer der des Kooperationspartners ausschließt, führt das ZDF an, dass in der Vorfahrtszene zum ersten Auftritt von Lanz im Oktober 2012 „kein Audi“, sondern ein anderes Fahrzeug zum Einsatz kam. Dennoch, verspricht das ZDF, sämtlichen im Raum stehenden Vorwürfen nachgehen zu wollen.

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