Nach teils heftigem Widerstand seiner freien Mitarbeiter ist der NDR eingeknickt. In einem Brief an alle Mitarbeiter kündigte Intendant Lutz Marmor jetzt an: Künftig werde keiner mehr fürchten müssen, dass der gebührenfinanzierte Sender ein Arbeitsverbot über ihn verhänge, nur weil er zu lange an Bord war.
Bisher war die Lage grotesk: "Freie programmgestaltende Mitarbeiter" (der ARD-Jargon für Journalisten) wurden laut NDR-Dienstanweisung nach maximal 15, oft aber schon nach acht Jahren "gesperrt": Sie durften bis zu 13 Monate nicht mehr für den Sender arbeiten und anschließend nur für einen einem Taschengeld gleichenden Höchstsatz. Einziges Ziel: Die Freien sollten keine Gelegenheit bekommen, sich eine feste Stelle einklagen zu können.
Unter Marmors Vorgänger Jobst Plog brachte es der NDR gar so weit, dass er seinen zuliefernden Produktionsgesellschaften abverlangte, die "Gesperrten" nicht zu beschäftigen.
Das NDR-Sendegebiet ist groß
Wollten die Betroffenen weiter hochwertigen Journalismus in TV oder Radio leisten, mussten sie aus dem Norden flüchten und sich einer anderen ARD-Anstalt oder dem ZDF andienen. Und dieser Norden ist groß: Der NDR ist in der Arbeitsgemeinschaft öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten Deutschlands (ARD) neben Hamburg auch für Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern da.
In der Spitze des Protestes der Initiative "Freie im Norden" blieben gut 400 Mitarbeiter im Februar für einen Tag den Funkhäusern fern. Das brachte den Sender in die Bredouille. Jetzt aber haben die Hierarchen gehandelt.
Aus dem Marmor-Schreiben lässt sich interpretieren, der Sender gehe künftig wissentlich das Risiko von Festanstellungsklagen ein. Für die Freien, die von einer "fairen Lösung" sprechen, heißt das: Widerstand lohnt sich wieder. Das kann ein Signal auch für andere Funkhäuser sein. Etwa beim RBB in Berlin stehen nächste Proteste an.
An Widerstand denken auch viele andere freie Journalisten. 140 haben Mitte dieses Monats den Verband "Freischreiber" gegründet. Der will den Freien - ob für Print oder Rundfunk - eine Lobby sein. Der Erste Vorsitzende Kai Schächtele will Freie aus Großverlagen wie Axel-Springer oder Bertelsmanns Gruner + Jahr zusammenziehen. Ziel sei es, bei den Verlagsspitzen für bessere Bedingungen zu kämpfen.
Ein Sprecher von Gruner + Jahr signalisierte aber schon im Vorfeld, davon werde man sich nicht beeindrucken lassen. Der Kampf geht also weiter. Nur die Fronten sind andere.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.