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Wie Arte, nur privat: Mini-Berlusconi

In Österreich leistet sich der Hersteller eines Erfrischungsgetränks einen eigenen TV-Sender. Sein Auftrag lautete: Erschafft ein privates Arte. Die Quoten sind bisher eine Katastrophe, aber beim Sender bleibt man cool. Von Bernhard Baumgartner

Nun auch TV-Besitzer: Dietrich Mateschitz. Was aber nicht heißt, dass er auf Berlusconis Spuren wandeln wollte.
Nun auch TV-Besitzer: Dietrich Mateschitz. Was aber nicht heißt, dass er auf Berlusconis Spuren wandeln wollte.
Foto: dpa

Wer das neue österreichische Servus TV sehen will, muss schon ein hartnäckiger TV-Konsument sein. Und zudem ausgesprochen gut informiert. Denn während andere Sender schon Wochen vor dem Start mit Kampagnen aufzufallen versuchen, wollte man beim kleinen Salzburger Sender sogar den offiziellen Start Anfang Oktober geheim halten: Journalistenanfragen wurden ignoriert, keine Außendung weit und breit, kein Hinweis auf der Homepage. Eine der verheerenden Folge: Nicht einmal alle Programmzeitschriften hatten den Sender - sogar noch Wochen nach dem Start - in ihren Listings.

Dabei braucht sich der österreichischen Privatsender, der auch über Astra, Kabel und in Teilen Österreichs sogar terrestrisch zu sehen ist, nicht zu verstecken. Der Auftrag an die Macher lautete: Erschafft ein privates Arte. So wünscht es der Eigentümer. Und der ist kein geringerer als die Firma Red Bull Media House des ebenso wohlhabenden wie umtriebigen Red-Bull-Erfinders Dietrich Mateschitz. Auf Servus TV reihen sich nun noch nie gezeigte Naturdokumentationen an eigenproduzierte Magazine von Kultur über Literatur und Kino bis hin zu Sport. Der eigenproduzierte Anteil liegt laut Sender bei 50 Prozent. Bis zu 70 Prozent der Sendungen laufen in HD-Qualität.

Leider hat sich das bis zu den Zuschauern noch nicht herumgesprochen. Die Quoten waren sogar einen Monat nach dem Start mehr als bescheiden: Ganze 1000 Zuschauer sahen etwa die aufwendige Sportshow am Nationalfeiertag, der Marktanteil ist an manchen Tagen hart an der Grenze dessen, was die österreichische Reichweitenuntersuchung Teletest noch messen kann.

Beim Sender selber spielt man die Situation herunter und spricht von einem "Probebetrieb", den man sich noch bis Jahresende gönne. Ab dann soll auch das Marketing intensiver werden. Man wolle die Zeit bis dahin nützen, um verschiedene Sendungen ausprobieren und das Programm stetig auszubauen und zu verbessern.

Mehr als 50 Menschen, etliche davon hochbezahlte Spezialisten hat der Sender bereits angeworben - 100 Leute braucht man bis zum Vollbetrieb.

Warum man es mit der PR nicht allzu eilig hat, wird klar, wenn man den Zulassungsbescheid der österreichischen Medienbehörde liest: Darin hat sich Red Bull verpflichtet, Servus TV auf Dauer der zehnjährigen Lizenz zu finanzieren. Der Businessplan spricht von Gewinnen ab 2013. Doch der wurde wohl noch vor der Medienkrise verfasst. Angeblich, so heißt es in der Branche, hat Mateschitz das Programm ganz nach seinen eigenen TV-Wünschen zusammenstellen lassen. Demnach liebt der Getränkedosenkönig Dokus, Sport und Kultur. Nachrichten findet man im Programm selten. Ganz wie bei Arte eigentlich. Nur eben rein privat finanziert.

Autor:  Bernhard Baumgartner
Datum:  20 | 12 | 2009
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