Martin Vorderwülbecke ist derzeit viel auf Reisen. Erst schaute er in Frankfurt vorbei, gestern in Berlin. Zusammen mit Chefredakteur Peter M. Gehrig führte er Einzelgespräche mit einem guten Dutzend Journalisten der Nachrichtenagentur DAPD, die am Main sitzt und an der Spree ein Hauptstadtbüro unterhält. Thema war die Zukunft. Die der Betroffenen, aber irgendwie auch die der gesamten Branche.
Was heute DAPD heißt, war bis Anfang Dezember noch der deutsche Ableger der US-Agentur Associated Press (AP). Seitdem gehört auch dieser Dienst Vorderwülbecke und dessen Geschäftspartner Peter Löw. Anfang 2009 hatten sie bereits die Nachrichtenagentur ddp übernommen. Jetzt formen sie aus beiden eine Allianz, um sich gegen den Marktführer dpa, aber auch gegen den hiesigen Dienst der französischen AFP aufzustellen. Neue Teams entstehen, Doppelbesetzungen sollen vermieden werden, Kosten gesenkt.
Hinter den Kulissen knirscht es deshalb. Die Eigentümer gehen wenig zimperlich zur Sache. Die DAPD-Mitarbeiter haben 34 Kündigungen gezählt: Fotografen, Bildredakteure und mit einer Ausnahme der gesamte Schweizer Dienst, der zu AP gehörte. Die Eigentümer beteuern, den Fotografen würden neue Verträge vorgelegt. Von "tiefem Misstrauen" ist in einem Protestschreiben die Rede, den die DAPD-Reporter an Vorderwülbecke schickten.
Vorderwülbecke und Löw wollen bei DAPD unter anderem die Personalkosten drücken. Die neuen Verträge sehen zwar das gleiche Gehalt vor und damit weit mehr als beim einst insolventen ddp, aber weniger Urlaub. Außerdem sind künftig alle Überstunden abgegolten. Im Gegenzug bieten die neuen unbefristeten Verträge einen Kündigungsschutz von drei Jahren, der aber für beide Seiten gilt. Jeder, der unterschreibt, bindet sich also an die neue Allianz. Das Abwandern zur dpa dürfte so zumindest gestoppt sein. Die Unterschrift wird übrigens mit einer Prämie von 10.000 Euro versüßt.
Als Vorderwülbecke gestern Nachmittag vor der ddp-Belegschaft sprach, kündigte er für ddp keine Entlassungen an, sondern Einstellungen. Beim DAPD werde es aber noch zu Kündigungen kommen. Auf die Frage, ob nicht DAPD-Mitarbeiter statt auf die Straße in die ddp-Redaktion gestellt werden könnten, habe er laut Teilnehmern geantwortet: "Die wollen doch nicht für weniger Geld arbeiten."
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.