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TV: Wintersport bis zum Overkill

ARD und ZDF opfern ihr Programm schon wieder den weißen Sportarten.

Morgen ist das Zweite dran. Dann ballern uns die Mainzelmännchen von 8 bis 18 Uhr mit Wintersport zu. Norbert König wird die Zuschauer aus Süd-Korea begrüßen. In Pyeongchang tritt die Weltspitze der Biathleten zur Weltmeisterschaft an. Das Spektakel wird aber von Jana Thiel unterbrochen, denn: Im französischen Val d'Isère sprinten ja noch andere um die Wette. Die Disziplin dort: Ski Alpin.

Die Kollegen vom Ersten können sich dann erst einmal zurücklehnen. Sie haben den Sportverrückten immerhin am vergangenen Wochenende zwei ebenso bombastische Wintersport-Super-Tage beschert. Ein solches Spektakel gibt es - abseits von Olympia und Fußball-Meisterschaften - nur im Winter. Der Wintersport hat nämlich längst so viele Disziplinen entwickelt, dass die Sender auf der Jagd nach Helden gar nicht umhin kommen, diese Vielfalt abzubilden. Ganz gleich ob diese Diversifikation überhaupt sinnvoll ist.

Die Hoffnung: In irgendeiner Bahn, an irgendeinem Hang, auf irgendeiner Schanze, Piste oder Eisfläche werden sich schon ein paar Nationalhelden finden lassen. Und so wurden in den vergangenen Jahren selbst monotone Sportarten wie Eisschnelllauf gepusht. Das ZDF klopft sich gar auf die Schulter und schreibt wahrheitsgemäß in einem Programm-Hinweis: "Einige Disziplinen wie zum Beispiel Biathlon und Skilanglauf erreichen erst durch diese regelmäßige TV-Präsenz in den vergangenen Jahren ihre enorme Popularität."

Die Frage, ob das, was uns noch bis März vorgesetzt wird, nicht überproportioniert ist, wollte beim ZDF niemand beantworten. Der Sportkoordinator des Ersten, Axel Balkausky, hingegen sagte: "Für uns ist die Resonanz des Publikums entscheidend und die ist nach wie vor überzeugend." Nun könnte gerade die seit Jahren gute Einschaltquote beim Biathlon zum Problem werden. Denn gleich mehrere Spitzensportler wurden jüngst positiv auf Doping getestet. Um wen es sich handelt, soll noch an diesem Wochenende bekannt werden. Dann sollen die Ergebnisse der gerichtsfesten Kontroll-Tests aus den so genannten B-Proben veröffentlicht werden.

Zwar sprechen bisher keine Hinweise für eine illegale Leistungsmanipulation von deutschen Athleten. Doch reichte es gewiss aus, wenn aktive Athleten aus mehr als einer an der WM beteiligten Nation positiv getestet würden, um die medienwirksame Live-Übertragung zu überdenken. Denn nach dem konsequenten Ausstieg aus der Live-Berichterstattung der Tour de France wegen systematischen Dopings ist die Erwartungshaltung an ARD und ZDF in der Frage eines Ausstiegszenarios auch für andere Sportübertragungen groß.

Balkausky sagt dazu, bisher sprächen keine Indizien für "ein flächendeckendes Doping". Die ARD diskutiere deshalb auch "kein Ausstiegsszenario". Sie werde vielmehr "journalistisch über die Dopingfälle berichten". Wie ernst sein Senderverbund dies nimmt, zeigt dieser Vorgang: Erst Mitte dieser Woche kümmerte sich der bei Biathlon-Berichten federführende Rundfunk Berlin Brandenburg darum, dass jemand aus der beim Westdeutschen Rundfunk angesiedelten ARD-Doping-Redaktion in Süd-Korea präsent sein wird. Jetzt steht immerhin fest: Hans-Joachim Seppelt wird vor Ort sein. Viel Zeit für Vorbereitungen wird er ob der kurzfristigen Anfrage aber wohl nicht gehabt haben.

Kritik nur in Ansätzen

Und: Ausgerechnet Seppelt. In Süd-Korea wird er auf Moderator und SWR-Sportchef Michael Antwerpes treffen. Der hatte sich erst vor einem Jahr vor laufender Kamera und in Anwesenheit eines Skiverband-Sprechers für Seppelts "journalistisches Fehlverhalten" entschuldigt. Seppelt aber hatte sich damals lediglich anmaßt, Rechercheerkenntnisse über Doping im Biathlon im Ersten zu verbreiten. Da prallten zwei Haltungen aufeinander.

Bei der kritischen Betrachtung des Wintersports ist das ZDF besser aufgestellt. Dort fliegen dem Vernehmen nach gleich zwei Mitglieder einer Doping-Taskforce zur Biathlon-WM. Mit Felix Hero haben sie in der Mainzer Zentrale sogar einen eigenen ständigen Beauftragten für Doping im Biathlon. Allerdings sei auch gesagt: Das Zweite hat es deutlich einfacher als die föderalistisch aufgebaute ARD. Dort sticht noch immer nur der Westdeutsche Rundfunk mit Recherchen zum Drogenmissbrauch im Sport hervor.

Auf die Idee, etwa einen am vergangenen Montag im WDR-Magazin "Sport Inside" ausgestrahlten Beitrag über Leistungssteigerung beim Biathlon-Nachwuchs in die üppigen Wintersport-Strecken zu heben, sind die dafür federführenden Sender nicht gekommen. Auch von anderen Beiträgen dieser Art war bisher rund um die Live-Strecken im Ersten nichts zu sehen. Vielleicht wollen sie sich den Sport ja auch nicht kaputt senden. Sonst müssten sie ganz normales Programm machen. Wo kämen wir denn da hin?

Autor:  DANIEL BOUHS
Datum:  13 | 2 | 2009
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