Von wegen Fortschritt! Seit Monty Pythons Zeiten hat sich nichts geändert. Damals, vor dreißig Jahren, regte sich das christliche Abendland über die Erfolgskomödie "Das Leben des Brian" auf, weil sie die Jesus-Geschichte veralbere. Blasphemie riefen die einen, Boykott die anderen. Nicht anders ist es heute. Nur dass schon ein Fernseh-Sketch reicht, um religiöse Gemüter in Wallung zu bringen. Serviert hatte ihn Lior Shlein, eine Art israelischer Harald Schmidt, in seiner wöchentlich ausgestrahlten Late-Night-Show.
Diesmal hatte Shlein den Madonna-Titel "Like a Virgin" für eine satirische Einlage geklaut. In ihr ging es um Jesus-Mutter Maria, die als 15-Jährige von einem Schulkameraden entjungfert worden sei und es mit einer Reihe Männern getrieben habe. Nicht nur an der "göttlichen Empfängnis" äußerte Shlein Zweifel, sondern ebenso daran, dass Jesus über Wasser spazieren konnte. In Wahrheit habe der an Fettsucht gelitten und sich deshalb nicht aus dem Haus getraut, "geschweige denn im Badeanzug zum See Genezareth".
Über Geschmack lässt sich streiten, über den Witz der Sache auch. Aber: kleiner Gag, große Wirkung. Alsbald baute sich die Woge der Empörung auf. Die Kirchenvertreter im Heiligen Land, insbesondere die katholischen, geißelten den Sketch als "gotteslästerlich". Darüber hinaus sei ein solches Werk geeignet, "interreligiösen Hass" zu entfachen. Man fragt sich, woher die Frommen - ob christlich, jüdisch oder moslemisch - immer so genau Bescheid wissen, was sich in mehr fürs säkulare Publikum konzipierten Talkshows tut. Aber egal. Selbst der Vatikan gab eine Protestnote heraus gegen den "vulgären und beleidigenden Akt der Intoleranz gegenüber den religiösen Gefühlen der christlichen Gläubigen".
Insofern ist die von Shlein beabsichtigte Provokation gelungen. Erklärtermaßen wollte er ja mit dem Sketch es dem Papst heimzahlen, weil der so generös den Holocaust-Leugner und Pius-Bruder Richard Williamson wieder im Schoß der Kirche aufnahm. Aber als arabische Christen in Galiläa demonstrierten, eine kriminelle Untersuchung wegen religiöser Verunglimpfung verlangten und dazu auch noch Papst Benedikt aufforderten, seine für Mai geplante Israel-Reise abzusagen, war Schadensbegrenzung angesagt.
Seitdem ebbt die Entschuldigungswelle nicht ab. Der Kanal 10 gelobte, den Sketch nicht zu wiederholen. Shlein bekannte, es tue ihm leid, was er angerichtet habe. Sogar Premier Ehud Olmert entschuldigte sich. Wenn Witze über das Judentum gerissen würden, gebe es zu Recht auch einen Aufschrei, erklärte er brav. So versuchte sich jeder in der Markierung des Unerlaubten und machte quasi nebenbei seinen politischen Punkt.
Aber wer verteidigt das Recht auf Satire? Das kann man sich nur herausnehmen. Die Komikertruppe Monty Python steht dafür bis heute Modell.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.