Frau Schausten, Sie gelten als jemand, den es nicht unbedingt vor die Kamera drängt. Wie kam es dennoch dazu, dass Sie moderieren? Es stimmt, ich komme ursprünglich aus dem Redakteursberuf. Angefangen beim Bayerischen Rundfunk, wo ich als Studentin Nachrichten für den Videotext geschrieben habe, über den Südwestfunk, wo ich erst für die Wortnachrichten zuständig war und später Reporterin wurde. Vor die Kamera getreten bin ich erst 1999, beim Morgenmagazin. Es gab dort die Tradition, dass der Leiter der Redaktion selbst ein paar Wochen im Jahr moderiert. Ich fand das in Ordnung. Jemandem, der beim Fernsehen arbeitet, kann es nicht schaden zu wissen, wie es sich anfühlt, vor der Kamera zu stehen.
Und da haben Sie gemerkt, dass das Ihr Ding ist? Zunächst einmal musste ich zum ersten Mal in meinem Leben Kontaktlinsen einsetzen, was ich ungern tat. Und ich habe mich die ganze Nacht vorbereitet, denn nur gut vorbereitet gewinnt man Sicherheit. Allerdings passiert beim Morgenmagazin ständig Unvorhergesehenes: Mal fällt eine Wand hinter dir um, mal klappt die Schalte nicht. Das trainiert, und man gewinnt dann schnell Lockerheit.
Bei Ihrer Berufung spielte eine Rolle, dass Sie als unionsnah eingestuft sind. Tatsächlich erwiesen Sie sich bisher als politisch unabhängig. Sehen Sie die Gefahr, diese Distanz zu verlieren, wenn Sie Teil des Berliner Politikbetriebs werden? Der Dienstsitz Mainz war in der Tat ein schöner Abstandhalter. Ich bin selbst gespannt, wie schnell mich das Berliner Geschäft aufsaugt, und werde umso mehr darauf achten, mich nicht durch die Nähe, durch die vielen Gelegenheiten zu persönlichen Gesprächen vereinnahmen zu lassen.
Wie wollen Sie zu viel Nähe vermeiden? Indem ich das alles immer wieder reflektiere, nicht auf jeder Katzenkirmes auftauche und umso mehr aufs Handwerk, auf Fairness, journalistische Sorgfalt und Unabhängigkeit achte. Davon abgesehen glaube ich jedoch, das ist weniger eine Frage der Methodik als eine Frage der inneren Haltung.
Wo wollen Sie neue Akzente setzen? Eine Frage, auf die wir auch als Parlamentsbüro eine Antwort finden müssen, ist die, wie wir unsere Informationen auf unterschiedlichen Plattformen unterbringen - eben nicht nur bei "heute" und "heute-journal", sondern auch bei ZDF Info oder heute.de. Wir werden unsere Strukturen auf neue Bedürfnisse zuschneiden müssen. Außerdem wird ein Schwerpunkt sein, eine Antwort darauf zu finden, wie man die Vermittlung politischer Inhalte für jüngere Zuschauer interessant hält. Das ist eine Frage, die mich in meiner bisherigen Funktion im Wahljahr 2009 beschäftigt hat, als wir mit"Ich kann Kanzler" oder Kooperationen mit Youtube und StudiVZ neue Möglichkeiten ausprobiert haben.
Das Interview führte Ulrike Simon.
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