Medien

19. Januar 2013

ZDF: Darf's ein bisschen weniger sein

 Von Ralf Mielke
ZDF-Intendant Thomas Bellut stellte sich den Fragen von Maybrit Illner. Neben ihm Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz. Foto: zdf/Jule Roehr

Über die Rolle von ARD und ZDF wird mal wieder heftig diskutiert – diesmal sogar im Programm

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Am Ende hat ZDF-Intendant Thomas Bellut ihm doch tatsächlich einen Job offeriert. Obwohl Oliver Pocher ihn wegen der angeblichen (oder doch tatsächlichen?) Schleichwerbung in „Wetten, dass..?“ zuvor mit beißendem Spott überzogen hatte. Schwachsinn, das ist Schwachsinn, polterte es aus dem Comedian in Maybrit Illners Talkshow heraus. Oder hat Pocher den Senderchef falsch verstanden, als der ihm prophezeite, irgendwann lande auch er bei den Öffentlich-Rechtlichen und Pocher das vermeintliche Angebot generös annahm? Ach, es war einfach nur ein Witz, der ein bisschen zur Versöhnung beitragen sollte. Auch Pocher kann ja nie wissen.

Die öffentlich-rechtlichen Sender im Allgemeinen und das Zweite im Besonderen stehen wieder einmal im Zentrum einer Diskussion um die Frage: Wie viel ARD und ZDF brauchen wir? Wie teuer darf uns der öffentlich-rechtliche Rundfunk kommen? Und ist er sein Geld überhaupt noch wert?

Hintergrund der Debatte ist die Umstellung der Gebührenerhebung zu Beginn des Jahres, die seither nicht mehr an den Besitz eines Empfangsgerätes gekoppelt ist, sondern von jedem Haushalt erhoben wird. Einfach und fair nennen die Sender diesen Rundfunkbeitrag. Vielen Bürgern will das nicht so scheinen, Behinderten- und Sozialverbände sehen Härten und Ungerechtigkeiten, Unternehmen wie die Drogeriemarktkette Rossmann haben schon eine Klage eingereicht, Städte und Gemeinden drängen auf Änderungen und überhaupt: Wieso kriegen ARD und ZDF eigentlich immer mehr Geld? Das stimmt zwar nicht ganz, gibt aber schöne Schlagzeilen her.

Was stimmt, ist, dass die beiden großen öffentlich-rechtlichen Sender – das kleine, aber feine Deutschlandradio kann hier ausdrücklich ausgenommen werden – in einer Akzeptanzkrise stecken, in die sie sich selbst hineinmanövriert haben. Man muss nur einmal die Online-Kommentare zu Beiträgen lesen, die sich mit ARD und ZDF, ihren Programmen oder einfach nur mit dem Rundfunkbeitrag befassen: Sollte sich das zur Mehrheitsmeinung entwickeln, die Zeiten des gebührenfinanzierten Rundfunks in Deutschland wären bald vorbei.

Unter den Bürgern gelten ARD und ZDF schon längst als nimmersatt – und das nicht erst, seit der Journalist Hans-Peter Siebenhaar sie in einem Buch so betitelte. Siebenhaar saß am Donnerstag auch bei Illner in der Sendung und wiederholte seine Forderung , ARD und ZDF zu einer Anstalt zusammenzulegen. Dann könnte der Rundfunkbeitrag irgendwann auch mal sinken. Dessen Höhe kannte bisher nur eine Richtung: nach oben. Dass die Sender nun mit der Umstellung zwei Jahre auf eine Erhöhung warten müssen, empfinden sie als großes Opfer. ZDF-Chef Bellut sagte am Donnerstag, sein Sender sei nun „zwei Jahr auf Null gesetzt“. Auf Nullwachstum vielleicht, und ja, auch für das ZDF werden manche Preise teurer. Doch immer noch stehen dem Sender pro Jahr rund 1,8 Milliarden Euro zur Verfügung. Nahezu siebeneinhalb sind es für das ganze öffentlich-rechtliche System.Das ZDF muss nun bis 2016 etwas 300 Stellen abbauen, weil es 75 Millionen Euro einsparen muss.

Die WDR-Intendantin Monika Piel erklärte zum Jahreswechsel, dass ihr Sender in den vergangenen fünf Jahr pro Jahr 50 Millionen Euro gespart hat. Was nicht heißen muss, dass der Sender auch weniger Geld ausgibt, wie man auf der WDR-Webseite in den Geschäftsberichten nachlesen kann. 2010 waren das 1,41 Milliarden Euro, eine Steigerung um etwas mehr als eine Million im Vergleich zum Vorjahr. Im Vergleich zur privaten Medienbranche, wo gerade hunderte Mitarbeiter gekündigt werden oder von Kündigung bedroht sind, schwimmen ARD und ZDF immer noch auf einer Insel der Seligen. Die Balance sei verloren gegangen, sagte ARD-ZDF-Kritiker Siebenhaar bei Illner.

Auch die Selbstverständlichkeit, mit der ARD und ZDF ihre Angebote ausbauen und erweitern – Digitalprogramme, Internetportale – stößt aber nicht nur bei der privaten Konkurrenz auf Kritik. ZDFneo und ZDFkultur, Tagesschau24, EinsPlus und EinsFestival – hundert Prozent der Zuschauer zahlen dafür, kaum zwei Prozentsehen es sich an. Bald soll es nun auch einen Jugendkanal – analog zum bestehenden Kinderkanal Kika – geben. Der Anschluss an die jungen Zuschauer darf nicht verpasst werden. Zwar heißt es inzwischen, für jeden neuen Sender muss ein altes Angebot eingestellt werden. Der Realitätscheck dafür steht noch aus.

Hinzu kommt der weit verbreitete Eindruck, ARD und ZDF böten kaum mehr als die Privatsender. Das trifft zwar nicht zu, aber der Eindruck konnte nur entstehen, weil auch ARD und ZDF mit populären Stoffen auf die Einschaltquote schielen. Und populäre Ware wie Sportrechte den Privaten vor der Nase wegkaufen. Und Sendezeit damit vergeuden, Trailer auf Trailer zu senden, um diese populären Programme anzupreisen.

Thomas Bellut sagte bei Illner, das ZDF müsse bedeutend bleiben, auch indem es möglichst viele Menschen anspreche, die dann eben nicht nur Pilcher und Champions League schauen, sondern auch das „heute-journal“ und den ernsten Fernsehfilm. Aber auch da könnte man gelegentlich meinen, dass die Balance verloren geht, wenn, wie an diesem Sonnabend von früh morgens bis zum Spätnachmittag Wintersport übertragen wird.

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