Der Neonazi: Es handelt sich dabei um einen adrett wirkenden Mitbürger, dessen freundliche Art bei Otto Normalwähler im Osten gut ankommt. Er engagiert sich in Sportvereinen, kümmert sich um die Jugend im Dorf. Ab und zu geht er zu Schulen und verteilt kostenlos Musik gegen Juden und Ausländer. Und während man im Osten um den Kampf der Rechten um die Köpfe der Jugend weiß und dies zu oft toleriert, so die traurige Erkenntnis der ZDF-Reportage, hat der Westen der Republik Scheuklappen auf.
Dabei, so die Filmemacher Beate Frenkel und Winand Wernicke im Film "Neue braune Welle", ist vor allem in Bayern mancher Ortskern längst zum braunen Pflaster umgewidmet. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit treibe ein rechter Mob fleißig Image-Pflege und keiner schaut hin, so die Autoren. Im oberpfälzischen Weiden etwa, wo zur traditionellen 1.-Mai-Parade 350 Neonazis aufmarschieren und der Bürgermeister fassungslos dabeisteht: Die braune Flut überschwemmt seine Stadt, die den Aufmarsch verboten hatte, doch dann kam der bayerische Verwaltungsgerichtshof und sprach: Die Nazis dürfen. So spielen die mit der Polizei Katz-und-Maus, kleben die verbotenen Symbole einfach ab - die Staatsmacht in Ohnmacht. Die rechte Gewalt wird bagatellisiert, lautet der Tenor des sehenswerten Films, der leider viel zu spät ausgestrahlt wird.
Zynisch wird es, wenn Bürger kriminalisiert werden, weil durch ihre Sitzblockaden die Nazi-Demo verspätet anfangen musste. Der demokratische Rechtsstaat ist in der Zange, und das mit ansehen zu müssen, schmerzt.
Neue braune Welle, ZDF, 0.35 Uhr
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.