Reinhard Laska kann seinen Ärger nur schwer zurückhalten. Zwar durfte er mit seinem Kollegen Christian Rohde ganze zwölf Monate daran arbeiten, zu verstehen und aufzuarbeiten, warum deutsche Steuerzahler ihre Banken retten müssen. Doch weil sein Sender, das ZDF, dafür bloß die üblichen 45 Minuten vorsah, die Dokumentationen meist zugeteilt werden, spricht Laska von "gottverdammten Abwägungen" bei der Planung seines Films.
Dem ZDF hat also - und das nicht zum ersten Mal - der Mut gefehlt, eine aufwendige und wichtige Recherche ordentlich in Szene zu setzen. Wie gut täte diesem Thema ein Schwerpunkt von 90 Minuten, auch um sich von den anderen Sendern mit einer profunden journalistischen Leistung abzusetzen.
Dann hätten die Autoren nicht Aufnahmen einfach so ausblenden müssen, die laut Reinhard Laska zeigen, "wie unverfroren noch immer in den USA mit Hypotheken hantiert wird". Aufnahmen, die davon zeugen, dass der ganze Quatsch erneut von vorne los geht und die Verantwortlichen offenbar noch immer nichts gelernt haben.
Aber auch die Dreiviertel-Stunde ist mindestens einen Blick wert. Die beiden Rechercheure des ZDF-Politmagazins "Frontal21" erklären darin äußerst einleuchtend, warum auch die Bundesrepublik so stark von dem Handel mit Schulden des US-amerikanischen Häusermarktes getroffen wurde. Dafür setzen sie auf aufwendige Schaubeispiele, mit denen sie es schaffen, selbst komplizierteste Mogelpackungen wie das Fondskonstrukt CDO zu erklären - das sind komplexe Anleihen, in denen letztlich faule Kredite versteckt wurden, um so simple Prinzipien wie die Bonitätsprüfung der Schuldner zu übergehen.
Die heutige Aufarbeitung der Finanzkrise wartet mit zwei Höhepunkten auf. Da ist zum einen der ehemalige Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD), der in einer Aufnahme vom März 2003 dabei zu sehen ist, wie er sich vor Bankern für die Deregulierung des hiesigen Marktes auf die Schulter klopft.
Eichel bezeichnete die Möglichkeit, Kreditrisiken zu verhökern, damals als "wichtigen Impuls für den Finanzmarkt Deutschland". Dass ein Finanzsystem, das es mit dem liberalen der Vereinigten Staaten gleichtun will, mit in den Abgrund gerissen wird, wenn es in den USA einmal richtig bergab geht, davon war damals natürlich nicht die Rede. Eichels heutige Sicht greift der Film leider nicht auf.
Reinhard Laska räumt dazu ein: "Wir haben im Nachhinein bedauert, nicht mit Eichel das Gespräch gesucht zu haben." Ausführlich zu Wort kommt hingegen der heutige Finanzminister Peer Steinbrück. Der ist ebenfalls ein SPD-Mann. Und er sagt, die Politik zu Zeiten Eichels sei "naiv oder devot" gewesen. Steinbrück hilft den Autoren auch dabei, einen sehr düsteren Ausblick zu malen, der da im Kern heißt: Nichts wird gut.
Der Minister erklärt, die Milliardenhilfe von heute werde "den künftigen Handlungsspielraum einengen". Das heißt nicht weniger als: Künftige Regierungen werden statt Investitionen insbesondere die Rückzahlung von Zinsen verwalten dürfen.
Laska selbst sagt, sie als Autoren wollten "den Zuschauern klar machen, dass wir alle die Zeche zahlen müssen - auch wenn die Politik das gerne anders darstellt".
Außerdem sei dem Autoren-Duo "nicht aufgefallen, dass wir hier eine energische Regulierung des Finanzmarktes bekommen haben". Sie denken bereits laut über eine Fortsetzung ihres Filmes nach. An sich kein gutes Zeichen.
"Das Milliardenspiel", ZDF, 21 Uhr.
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