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Medien

22. August 2010

Zeitungslandschaft: Schleichender Tod

 Von Eckhard Stengel
Zum Verwechseln ähnlich: Titelseiten von Weser-Kurier und Bremer Nachrichten.  Foto: Eckhard Stengel

Von den traditionsreichen Bremer Nachrichten ist nicht viel mehr als der Titel geblieben. Alles andere kommt vom Weser-Kurier.

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Mogelpackungen gibt es nicht nur bei Cornflakes, sondern manchmal auch bei der sie begleitenden Frühstückslektüre: Die angeblich drittälteste noch bestehende Zeitung Deutschlands, die Bremer Nachrichten (BN), existiert nur noch zum Schein. In den vergangenen Jahren wurden die BN immer stärker dem im selben Verlag erscheinenden Weser-Kurier (WK) angeglichen. Was viele treue Abonnenten wahrscheinlich noch gar nicht bemerkt haben: Inzwischen sind beide Blätter identisch – abgesehen von den Farben auf der Titelseite.

Vorbei ist es mit der großen Tradition der Bremer Nachrichten. Das Blatt erschien zum ersten Mal 1743, damals noch als Bremer Wöchentliche Nachrichten. Der Tod auf Raten begann 1974, als der Verlag des auflagenstärkeren Weser-Kuriers den kleineren Konkurrenten übernahm. Zunächst blieb die BN-Redaktion noch eigenständig.

Doch 1987 wurden die Lokalteile zusammengelegt, und in den Folgejahren schrumpfte auch der überregionale Teil immer mehr zusammen: Zeitweise durfte eine Handvoll BN-Redakteure noch die ersten vier Seiten selber zusammenstellen, später lediglich die ersten zwei. Aber das war dem Verlag wohl immer noch zu teuer. Bald unterschieden sich die beiden Schwesterblätter nur noch bei einzelnen Fotos oder Kommentaren.

Und am Ende war nur noch der Seitenaufbau verschieden: Bei der einen Zeitung wurden die Kommentare links platziert, bei der andere rechts. Doch auch mit diesen kosmetischen Tricks ist es seit wenigen Wochen vorbei.

Teil der Abonnenten könnte abspringen

Aber warum verzichtet der Verlag Bremer Tageszeitungen AG (Bretag) nicht ganz auf den Druck der BN und liefert den Kunden stattdessen den Weser-Kurier? Die Antwort von Bretag-Sprecher Moritz Behnsen: „Viele Bremer wollen die Bremer Nachrichten lesen“, denn das sei „eine Zeitung mit einer großen Tradition“. Deshalb plane der Verlag auch nicht, die BN ganz einzustellen.

Was Behnsen nicht sagt: Womöglich würde sich dann ein Konkurrenzverlag den ungenutzten Titel schnappen. Außerdem könnte ein Teil der Abonnenten völlig abspringen, statt zum WK zu wechseln. Und der hat schon genug zu kämpfen mit Anzeigenrückgang und Käuferschwund. Wie hoch die Auflage der Blätter jeweils ist, verrät der Verlag nicht. Insgesamt verkauft er in Bremen und Umgebung werktäglich 164 000 Exemplare, die BN dürften bei maximal 30 000 liegen.

Immerhin brachte das schleichende Ende der BN keine Entlassungen mit sich. Personal sei altersbedingt ausgeschieden oder arbeite jetzt für den WK, berichtet der Sprecher. Was er wiederum nicht erwähnt: Freiberufliche In- und Auslandskorrespondenten haben nun einen Abnehmer weniger. Und die Bremer haben wieder ein Stück Pressevielfalt verloren.

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