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Medien

16. Januar 2013

Zeitungssterben: WAZ schließt Redaktion der Westfälischen Rundschau

 Von Ulrike Simon
Die Zeitung ist bald nur noch die Hülle für Inhalte anderer Blätter.  Foto: imago/Stefan Schwenke

120 Mitarbeiter der traditionsreichen Dortmunder Tageszeitung verlieren ihren Job und doch soll der Titel noch bestehen bleiben.

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Vor drei Jahren, als die Unternehmensberatung Schickler der WAZ-Gruppe empfahl, die Westfälische Rundschau (WR) einzustellen, hielt die Konzernführung noch an ihrer SPD-nahen Zeitung fest. Damals hatte der ehemalige SPD-Politiker Bodo Hombach ein Wörtchen mitzureden. Auch jetzt, da sie die WR- Redaktion mit insgesamt 120 Mitarbeitern schließt, spricht die WAZ-Gruppe nicht von einem Aus für das Dortmunder Blatt, bei dem einst auch der spätere rot-grüne Superminister Wolfgang Clement mit in der Chefredaktion saß. Vielmehr sei es „unser Ziel, die Westfälische Rundschau zu erhalten“, teilt der Konzern mit. Was da allerdings erhalten wird, ist nur der Titel. Wo künftig Westfälische Rundschau draufsteht, ist anderes drin: Der überregionale Mantelteil stammt (wie schon seit 2009) von der Essener Zentralredaktion der WAZ-Gruppe, an deren Tisch Malte Hinz weiterhin als WR-Chefredakteur sitzen wird. Die Lokalausgaben kommen von Februar an, je nach Verbreitungsgebiet, entweder von der konzerneigenen Westfalenpost (Wetter/Herdecke, Ennepe-Süd) oder – ein Novum – von bisherigen Konkurrenten der WR: in und um Dortmund, Lünen und Schwerte von den Ruhr Nachrichten (Verlag Lensing-Wolff), in Unna und Kamen vom Hellweger Anzeiger (Rubens) und in Lüdenscheid vom Märkischen Zeitungsverlag (Ippen).

Neue Gesellschaftsform

Die WAZ-Gruppe, die kurz davor steht, sich eine neue Gesellschaftsform zu geben (KGaA), und die sich nicht zuletzt auch mit Blick auf die finanziellen Verbindlichkeiten der neuen Mehrheitseigentümerin Petra Grothkamp zu Sparmaßnahmen verpflichtet hat, verkauft die Maßnahme als zukunftssichernd. Barbara Hendricks, Schatzmeisterin der mit 13 Prozent an der WR beteiligten SPD-Medienholding DDVG bezeichnet das Vorgehen dagegen als „seelenlose Redaktionsklempnerei“. Die Entscheidung sei „gegen und ohne uns gefallen“. Dem widerspricht die WAZ energisch und unterstellt der DDVG, Politik zu betreiben.

Dessen ungeachtet kündigt Hendricks an, rechtlich zu prüfen, „wie wir damit umgehen. Klar ist schon jetzt, dass das Vertrauensverhältnis zum Mehrheitsgesellschafter zerrüttet ist.“ Erstmals und sehr rudimentär sei die DDVG Ende November über Einschnitte bei der WR informiert worden. „Trotz mehrfacher Nachfragen wurden uns keine näheren Informationen hierzu übermittelt. Auf einer daraufhin von uns initiierten Gesellschafterversammlung am 27. Dezember 2012 haben wir ausdrücklich gegen einen Beschlussvorschlag der WAZ gestimmt, der der Geschäftsführung der WAZ freie Hand geben sollte.“ Es sei nun „eine gesellschaftsrechtlich äußerst schwierige Situation entstanden“. Die WAZ verweist auf ihre Position als Mehrheitsgesellschafter. Demnach hätte die DDVG nur bei der Bestellung des Chefredakteurs und im Falle einer Einstellung Mitspracherechte. Die WR würde jedoch nicht eingestellt, in Dortmund etwa hätten Leser weiterhin die Wahl zwischen der WR und den Ruhr Nachrichten.

Seit 30 Jahren Verluste

Wäre es allein nach Christian Nienhaus, einer von drei WAZ-Geschäftsführern, gegangen, wäre das Aus für die WR-Redaktion wohl schon früher gekommen. Als Zweitzeitung unter erfolgreicheren Konkurrenten erschien sie ihm chancenlos. Das Blatt soll seit 30 Jahren Verluste anhäufen, allein in den vergangenen fünf Jahren 50 Millionen Euro bei einem Auflagenrückgang um ein Fünftel auf 115 000 Exemplare. Sein Geschäftsführerkollege Manfred Braun wollte es mit der WR zuletzt noch einmal probieren, was zu weiteren Kosten führte, aber weder der Auflage noch dem Anzeigengeschäft Aufwind verlieh.

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