kalaydo.de Anzeigen

Zensur in China: Über die Mauer gehen

Doch wie lebt es sich eigentlich mit der Zensur in China? Besser, als westliche Medien behaupten, sagt der Buchautor und Journalist Christian Y. Schmidt im FR-Interview.

Herr Schmidt, der Suchmaschinenanbieter Google will sich aus China zurückzuziehen, mit der Begründung, die chinesische Suchmaschine Google.cn nicht länger zensieren zu wollen. Wie sind die Reaktionen in China?

Bisher merkt man ja noch keine Veränderungen. Die Zeitung China Daily hat allerdings spekuliert, dass es ein Propaganda-Coup von Google gewesen sei, um in China mehr Beachtung zu finden. In China wird Google ja nur von etwa 30 Prozent der Menschen genutzt, die meisten nehmen die Suchmaschine Baidu. Erst durch die ganzen Diskussionen hat man wohl auch in der Provinz mitbekommen, dass es Google gibt.

Man liest oft, Internetseiten von Menschenrechtsorganisationen und uigurischen und tibetischen Aktivisten seien gesperrt. Was passiert, wenn man solche Seiten aufruft?

Bei solchen Seiten kommt meist die Fehlermeldung "connection interrupted".

Ausländische Journalisten, die wegen der olympischen Spiele nach Peking kamen, berichteten deswegen über Online-Zensur. In ihrem Buch "Bliefe von dlüben" mokieren Sie sich darüber und sagen, die Journalisten seien offenbar "zu doof". Warum?

Es gibt relativ einfach Wege, die Sperren zu umgehen. Das ist auch kein großes Geheimnis. Alle ausländischen Firmen, die hier arbeiten, wissen das. Man kann sich Software herunterladen und die gewünschten Seiten dann aufrufen. Diese Technik ist bei Chinesen durchaus bekannt, es gibt sogar einen eigenen Ausdruck dafür, "fan qiang", das heißt soviel wie "über die Mauer gehen". Wenn man das bei Google.cn eingibt, bekommt man 8.700.000 Hits. Es gibt auch chinesische Seiten, die einem erklären, wie man solche Software installiert und benutzt.

Wie sieht es mit Seiten wie Youtube, Twitter, Facebook aus. Sind die in China gesperrt?

Ja, Youtube und Facebook sind seit einem Jahr gesperrt, seit den uigurischen Krawallen in Umrumqi. Man muss also diese Software benutzen, wenn man die Portale trotzdem besuchen will. Mit der Zensur ist es eine Art Katz- und Maus-Spiel. Mal sind die Seiten zugänglich, kurz darauf wieder gesperrt. Dann gibt es wieder neue Seiten. Das Online-Lexikon Wikipedia war eine Zeit lang gesperrt, jetzt ist es wieder offen. Bei der englischsprachigen Wikipedia kann man zum Beispiel auch die Einträge über die tibetische Exilregierung lesen. Die Lexikoneinträge über den Dalai Lama sind gerade wieder gesperrt, vor kurzem waren sie noch zugänglich.

Kann man in China neben dem chinesischen Google.cn auch die Suchmaschine Google.com benutzen?

Ja, klar! Ich hab auch vor ein paar Tagen wieder in einem deutschen Fernsehbeitrag gehört, man könne das Wort Demokratie nicht googeln. Das mag für das chinesische Google stimmen. Aber ich habe das hier noch einmal überprüft und das Wort "democracy" gesucht. Bei google.com ist das absolut kein Problem.

Laut der Organisation Reporter ohne Grenzen sitzen in China derzeit 69 Cyber-Dissidenten wegen ihrer Online-Veröffentlichungen im Gefängnis. Wird in chinesischen Medien über solche Fälle berichtet?

Das kriegt man schon mit. Die Presse ist auch nicht so reglementiert, dass nicht darüber berichtet werden würde, wenn bekannte Blogger festgenommen werden. Aber es gibt eben auch immer wieder Fälle, dass Blogger mit ihren kritischen Berichten durchkommen. Mitte letzten Jahres hat es mehrere Todesfälle in Gefängnissen gegeben, die sind durch Blogger bekannt geworden. Zuerst sollten die Blogger für diese Veröffentlichung bestraft werden. Dann wurden die Proteste im Internet aber so stark, dass eine Untersuchungskommission eingerichtet wurde. Heraus kam, dass die Berichte stimmten, letztlich wurde das Gefängnispersonal bestraft. So geht es öfter.

(Das Gespräch führte Anna Mielke)

Datum:  17 | 2 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
World Press Photo 2011
Das Bild des Jahres: Die 18-jährige Afghanin Bibi Aisha   war auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann, als die Taliban sie aufspürten.  Der Urteilsspruch: Verstümmelung. Aishas Mann schnitt ihr Nase und Ohren ab, während dessen Bruder sie festhielt. Das Porträt brachte der US-Fotografin Jodi Bieber den World Press Photo Award 2011 ein.

Die Präsentation des besten Pressefotos des Jahres ist immer ein Anlass, genauer hinzuschauen: FR-online.de erklärt mit Hilfe von interaktiven Imagemaps die Hintergründe zu drei ausgewählten Gewinnerbildern.

FR-Fernsehkritik
Ornella de Santis (links) hat es ins Finale von
„Unser Star für Baku“ 
Moderator Günther Jauch.
Günther Jauch 
Ivy Quainoo ist die neue Stimme Deutschlands.
Voice of Germany 

Video

Quiz
Dezember 2006.

Thomas Gottschalk hat sich bei "Wetten, dass..." verabschiedet. Er bewegt die TV-Nation. Testen Sie Ihr Wissen.

Quiz
Tatort-Logo

Seit 40 Jahren gibt's fast jeden Sonntag im Fernsehen Mord und Totschlag. Mit dem Tatort beweist das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer wieder seine Leistungsfähigkeit. Was wissen Sie über die Krimi-Reihe? Testen Sie's!

Fotostrecke
Zum Anbeißen: Der Zoo Hannover sorgt beim Füttern für die saisonal passende Deko. Das Erdmännchen hat offenbar seinen Spaß dran.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Quiz
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg holt seine Entlassungspapiere im Schloss Bellevue ab (03.03.2011).

Guttenberg hatte einen guten Grund. Aber weshalb sind Horst Köhler oder Richard Nixon abgetreten?

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Film

Die Filmwoche: Was läuft wann in welchem Kino? Alle Neustarts, alle Filme, alle Kinos, alle Zeiten.

Meistgeklickt
Auch Bettina Wulff wirkt müder als sonst - hier besichtigt sie Leonardo da Vincis
Bundespräsident Wulff in Italien 
Wütend nach dem Eintracht-Spiel in Düsseldorf: Heribert Bruchhagen.
Eintracht-Boss hadert mit Schiedsrichter und Schauspieler 
Bayer Leverkusen Boss Holzhäuser 
Diskussionen: Bamba Anderson redet auf Schiedsrichter-Assistent Jan Hendrik Salver ein.
Fußball-Kolumne Ballhorn (IV)