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Zur Lage des Drehbuchautors: Nachrichten aus der Schublade

Fertige Drehbücher würden durch dauerndes Umschreiben oft zu ihrem Nachteil entstellt, klagen die Drehbuchautoren. Eine Polemik zur Lage dieses Berufsstandes, gehalten bei einer lustigen Geburtstagsfeier.

Heute vor einer Woche feierte der Verlag der Autoren mit einem großen Fest in Frankfurt seinen 40. Geburtstag. Unter den charmanten und provokanten Reden war der folgende Beitrag, eine polemische, ironische und überspitzte Stellungnahme zur Situation von Drehbuchautoren. Da über diese Situation in der Öffentlichkeit kaum etwas bekannt ist - fertige Drehbücher werden durch dauerndes Umschreiben oft zu ihrem und unserem Nachteil entstellt -, veröffentlichen wir hier den Beitrag, der ursprünglich nur zur internen Diskussion und Erheiterung gedacht war.

Liebe Verlag-der-Autoren-Autorinnen und Verlag-der-Autoren-Autoren.

Jetzt feiern wir also unseren 40. Geburtstag. Feiern ist immer gut! Aber schon morgen müssen wir uns fragen: Wird es auch zum 50-, 75- und 100-jährigen Jubiläum etwas zu feiern geben? Gibt es heute etwas zu feiern? Außer uns?

Wir sind zumindest Teil einer guten Sache. Wir sind Autoren des Verlages der Autoren. Wir gehören uns. Wir bestimmen über uns selbst. Wir sagen, wo es lang geht. Und spätestens jetzt lachen wir: über uns.

Wir sind dabei, uns überflüssig zu machen. Wir sind Befehlsempfänger, Schreibmaschinen auf zwei Beinen. Wir sind Limbotänzer eines derart niveaulosen Berufs geworden, dass wir problemlos unter den Türen unserer Produzenten und Redakteure hindurch tanzen können. Ohne sie zu öffnen.

Drehbücher werden heute von Regisseuren, Produzenten und Redakteuren geschrieben. Und wenn doch von uns, dann werden unsere Stoffe und Ideen, unsere Figuren und ihre Seelen solange vergewaltigt, bis wir sie selbst nicht mehr kennen. Unsere Namen lesen wir schon lange nicht mehr stolz im Vor- und Abspann, wir lassen sie stehen um unseren VG Wort-Anteil nicht zu verlieren, aber selten aus Überzeugung.

Natürlich gibt es Ausnahmen in die eine Richtung. Aber auch in die andere! Wir dürfen uns nicht mehr alles gefallen lassen. 2008, zur 58. Ausgabe der Berlinale, ist erstmals ein Silberner Bär für das beste Drehbuch vergeben worden. An wen? Na? An einen Regisseur!

Mit welchem Kollegen oder welcher Kollegin wir auch sprechen, es ist immer das gleiche Lied, das sie singen. Und ehrlich gesagt: Es wird jedes Mal noch schlimmer.

Wir sind keine Opfer. Keine Jammerlappen. Keine Aufgeber. Wir lieben unseren Beruf und sind Idealisten genug, um an unsere Figuren und Stoffe zu glauben. Wir glauben daran, mit unserer Arbeit nicht nur Unterhaltung auf kleinstem gemeinsamen Nenner abzuliefern, sondern die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Wenngleich nur für 90 Minuten.

Lasst uns streiken! Unsere Kollegen von der Writers Guild of America müssen uns Vorbild sein!

Aber Kollege Matthias Dinter hat es auf den Punkt gebracht. Wenn in Deutschland die Drehbuchautoren streiken, dann haben am nächsten Tag 10 000 Hausfrauen einen neuen Job.

Das richtet sich im Übrigen nicht gegen die Hausfrauen. Es richtet sich gegen uns. So viel zu unserer Reputation. Also kein Streik. Keine Resignation.

Ab heute wird nicht gebeten, ab heute wird verlangt. Ab heute wird nicht mehr umgeschrieben. Ab heute wird zurückgeschrieben! Wir fordern:

1. Die Würde der Autoren ist unantastbar, ihre künstlerische Freiheit ist ein schützenwertes Gut.

2. Jedes Werk eines Autors muss vor seiner Ausstrahlung oder öffentlichen Aufführung dem Autor zur Abnahme vorgelegt werden. Das gilt auch für so genannte Regiefassungen.

3. Von Produzenten, Redakteuren aber auch Autoren wird ein Mindestmaß an dramaturgischer Ausbildung, aber auch Intelligenz, Phantasie und Redlichkeit gefordert.

4. Autoren werden an Verwertungsgewinnen in Form eines monatlichen Grundeinkommens beteiligt, da sie das wirtschaftliche Risiko ihrer Arbeit alleine tragen.

5. Produzenten und Redakteure, die sich wiederholt schwerer Verstöße am Werk der Autoren schuldig machen, werden mit befristetem oder unbefristetem Berufsverbot belegt, beziehungsweise von Entscheidungsprozessen ausgeschlossen. Unser Schwert ist der Boykott und das Internet. Hier werden die schwarzen Schafe genannt und von uns geächtet.

Wenn wir uns überzeugen, relevant zu sein, dann geht dieses Manifest in die Welt, wenn nicht, dann landet es eben bei unseren besten Arbeiten. In der Schublade. Vielen Dank!

Von Khyana el Bitar, Patrick Gurris

und Matthias Keilich

Datum:  19 | 6 | 2009
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