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Zurück zum Fernseher: Zum Date mit dem Möhrenmob

Arte wirbt um die Internetgemeinde: Das neue Europamagazin "Yourope" ist auf den global denkenden, digital vernetzten Zuschauer zugeschnitten. Zum Auftakt heißt es: Vernetzt oder verfangen? Von Torsten Wahl

Arte will mit einer neuen Sendung junge Leute für die europäische Idee begeistern.
Arte will mit einer neuen Sendung junge Leute für die europäische Idee begeistern.
Foto: rtr

Zuallererst klingt der Name natürlich nach Europa: "Yourope" soll ein interaktives Europamagazin für den global denkenden, digital vernetzten Zuschauer sein - ein ziemlich vermessener Anspruch für eine knapp halbstündige Vorabendsendung auf dem deutsch-französischen Kulturkanal Arte. "Europa wird von den jungen Leuten gelebt - obwohl seine Institutionen kaum jemanden interessieren", sagt die verantwortliche Redakteurin Susanne Biedenkopf vom ZDF. Produzentin Tita von Hardenberg ergänzt, dass das Fernsehen kaum noch Auslandsthemen für die Jüngeren zu bieten habe - hier soll "Yourope" ansetzen.

Zugleich spielt der Titel auf die Internet-Plattform Youtube an. Mit dem Magazin will Arte die Internet-User zurück zum Fernsehen holen, hofft die Redakteurin Julia Theres Held. Moderator Andreas Korn, bisher als Moderator der Kindernachrichten "Logo" zu sehen, spricht die Zuschauer zur Begrüßung gleich so an: "Ich bin froh, dass Sie nicht bei der Konkurrenz sind: im Internet." Um auf das Magazin in der Zielgruppe aufmerksam zu machen, sollen die einzelnen Beiträge per Stream nicht nur auf der Arte-Homepage angeboten, sondern auch gleich bei Youtube präsentiert werden. Tita von Hardenberg hofft auf den Aufbau einer "Yourope"-Netzgemeinde und will Blogger als Kommentatoren gewinnen.

Die programmatische Auftaktsendung widmet sich unter dem Titel "Vernetzt oder verfangen?" den Social Networks, sozialen Netzwerken wie Facebook und StudiVZ. Das Ideal der Macher scheint dabei ein Netzwerker zu sein, der sich mit Gleichgesinnten zum "Carrot Mob" verabredet, um mittels massenhaftem Möhrenkauf der kurdischen Gemüsehändlerin zu einer Öko-Gefriertruhe zu verhelfen und der via Twitter den internationalen Studentenprotest ankurbelt.

Moderator Korn, der die Beiträge natürlich am Touchscreen-Monitor startet, sieht die Sendung auf Augenhöhe mit seinen Protagonisten. Das heißt aber offenbar auch: Journalistische Distanz ist in "Yourope" verpönt. Wertungen im Stile der ARD-Politmagazine kämen beim angepeilten jungen Publikum überhaupt nicht gut an, will Redakteurin Held erfahren haben. So scheint es Absicht zu sein, dass hier jede Netz-Aktivität gleich als weltverbessernd, visionär oder sonstwie zukunftsweisend gefeiert wird - doch das wirkt mitunter wie Anbiederei. Worin die neuartige Interaktivität besteht, wird noch nicht klar - einen Chat nach der Sendung bieten inzwischen selbst die traditionellen ARD-Politmagazine an.

Die Frage, ob die Nutzer von Facebook und Twitter tatsächlich ein spezielles TV-Magazin brauchen, um sich auszutauschen, kann die erste Sendung noch nicht beantworten. Eher gibt sie den Älteren Einblicke darüber, was ihre Kinder im Netz alles so anstellen.

Vor demselben Problem dürfte "Der BloggEUr" stehen - ein weiteres neues Arte-Magazin, das künftig sonnabends um 14 Uhr läuft. Aber auch bei den konventionellen Info-Sendungen hat Arte Neues zu bieten. Von heute an werden die bisherigen Nachrichtenformate "Arte Info" und "Arte Kultur" zur neuen Sendung "Arte journal" vereint, das täglich um 19.00 Uhr läuft.

Weitere Umstellung: Das Hauptabendprogramm beginnt von Sonnabend an schon um 20.15 statt wie bisher erst um 21 Uhr. So gleicht Arte sein Programmschema der eigentlichen Konkurrenz an: den anderen TV-Sendern.

Yourope; sonntags, 17.45 Uhr BloggEUr; sonnabends 14.00 Uhr Arte journal; täglich 19.00 Uhr

Autor:  Torsten Wahl
Datum:  8 | 1 | 2010
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