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Zwist mit DFB-Chef: Weinreichs Leber

Dass Zwanziger sich wehrt, weil der Journalist ihn in einem Blog einen unglaublichen Demagogen hieß, hat Weinreichs Ruf nicht geschadet. Doch pleite ist er womöglich trotzdem bald. Von Wolfgang Hettfleisch

DFB-Präsident Theo Zwanziger lässt sich nicht lumpen, ebenso wenig wie seine Gegner.
DFB-Präsident Theo Zwanziger lässt sich nicht lumpen, ebenso wenig wie seine Gegner.
Foto: rtr

Es lohnt nicht, Prometheus zu sein. Der gab dem unbeseelten Klumpen Mensch Verstand, aber gedankt hat es ihm niemand. Zeus ließ den unsterblichen Feuerdieb im Kaukasus eine mehrhundertjährige Haft verbüßen, die nicht so ganz den Grundsätzen des modernen Strafvollzugs entsprach. Das sollte Jens Weinreich zu denken geben. Der freie Autor aus Wandlitz, der auch für die FR schreibt, war zuletzt mit Ehren überhäuft worden. Das Medium Magazin kürte ihn zum Sportjournalisten 2008. Vom Fachmagazin V. i.S.d.P. gab's den Goldenen Prometheus als Onlinejournalist des Jahres obendrauf.

Gewürdigt wurde weniger die exzellente journalistische Arbeit des Querkopfs aus Brandenburg, der ein kenntnisreicher und bestens vernetzter Kritiker der nationalen und internationalen Sportverbände ist. Die Auszeichnungen tragen eher moralischen Charakter. Der seit dem vorigen Sommer schwelende Rechtsstreit mit Theo Zwanziger brachte dem 43-jährigen Ex-Sportchef der Berliner Zeitung viel Solidarität ein.

Der Konflikt mit dem DFB-Präsidenten, der sich dagegen wehrt, dass der Journalist ihn in einem Blog-Beitrag einen unglaublichen Demagogen hieß, hat Weinreichs Ruf sicher nicht geschadet. Doch gute Presse hatte, wenn man so will, schon Menschenfreund Prometheus, was seine Leber nicht vor Adlerfraß bewahrte.

Weinreichs Leber ist, metaphorisch gesprochen, sein Geldbeutel. Und weil in dem nichts nachwächst, tat der Mann aus Brandenburg angesichts der teuren und sich hinziehenden Rechtshändel mit Zwanziger und DFB vor ein paar Tagen etwas, das er eigentlich hatte vermeiden wollen: Er bat via Internet-Blog (jensweinreich.de) um Spenden.

Obwohl die Gerichte im ausufernden Rechtsstreit bislang noch stets zu seinen Gunsten entschieden, ließen die gleichwohl anfallenden Kosten Weinreich schon ans Aufgeben denken. Er wittert nicht von ungefähr einen Strategiewechsel auf der Gegenseite. Der gekränkte Zwanziger hatte sich anfangs mit unüberlegten Einlassungen eine blutige Nase bei Bloggern und anderen Berichterstattern geholt. Der DFB machte sich mit einer fragwürdigen Pressemitteilung angreifbar, gegen die Weinreich erfolgreich juristisch vorging. Inzwischen aber haben sich der Jurist an der DFB-Spitze und seine Vertreter auf ein rechtliches Kurzpassspiel verlegt, das den unbotmäßigen Journalisten in ernste Bedrängnis bringt.

"Die Gegenseite versucht alles, um die (...) juristischen Handlungsstränge auszuweiten, die Sache in die Länge zu ziehen und das finanzielle Risiko für mich zu erhöhen", schreibt Weinreich in seinem Blog. Und die chronisch kurze Aufmerksamkeits- und Erregungsspanne der Öffentlichkeit spielt Zwanziger und dem DFB in die Karten. Die Solidaritätsbekundungen für "David" Weinreich, der's mit den Fußballgewaltigen aufnahm, sind größtenteils verklungen. Dass er ein zäher Brocken ist, hat Weinreich allerdings in seiner journalistischen Arbeit oft genug bewiesen. Am heutigen Donnerstag will er vor dem Frankfurter Landgericht seinen Mann stehen. Dort wird über einen Widerspruch des DFB verhandelt, der die von Weinreich erwirkte Gegendarstellung zur berüchtigten Pressemitteilung des Verbands vom November verweigert. Der DFB bezweifelt unter anderem, dass ein Gerichtsbeschluss wirksam ist, der ihm per Fax zugestellt wurde.

Solche Scharmützel sind geeignet, Weinreich zu zermürben und sein finanzielles Risiko weiter zu steigern. Spielt die Gegenseite auf Zeit, kann er das nur begrenzt durchhalten. Theo Zwanziger wird die direkte Konfrontation vor Gericht vermeiden. Der DFB will auch keinen anderen hochrangigen Vertreter schicken. An der Otto-Fleck-Schneise überlässt man die Angelegenheit, deren Hauptsacheverfahren aussteht, nun den Anwälten. Sie täten sich sicher gern noch ein paar Jahre an Weinreichs Leber gütlich.

Autor:  WOLFGANG HETTFLEISCH
Datum:  5 | 3 | 2009
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