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Medizin

05. März 2013

Erfolg im Kampf gegen HIV: Schneller als das Virus

 Von 
Viren-Invasion: Eine menschliche Immunzelle fungiert als Brutstätte für HI-Viren. Das Bild zeigt, wie die T-Helferzelle platzt und Tausende Viruskopien freigibt.  Foto: Robert-Koch-Insititut/Hans Gelderblom

US-Mediziner berichten von einem Therapieerfolg bei einem HIV-infizierten Baby. Das jetzt zweieinhalbjährige Mädchen benötigt keine Medikamente mehr.

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WASHINGTON –  

Die Frau wusste nichts von ihrer Infektion. Auch die Ärzte waren ahnungslos, als die Schwangere im Herbst 2010 ein Krankenhaus im US-Bundesstaat Mississippi aufsuchte, weil die Wehen bereits eingesetzt hatten. Eine Routine-Untersuchung brachte schließlich Gewissheit. Die Frau war HIV-infiziert – und die Ärzte standen vor einem Problem. Denn normalerweise werden in den USA seit etwa 15 Jahren alle Frauen, die das Virus während der Schwangerschaft in sich tragen, vorsorglich mit Medikamenten behandelt, um ein Überspringen der Infektion auf das ungeborene Kind zu verhindern. Das aber ging jetzt nicht mehr.

Deshalb habe man der Frau keine Medikamente gegen die HIV-Infektion mehr geben können, um das Kind zu schützen, sagte Hannah Gay, Kinderärztin an der Universitätsklinik von Jackson. Die Ärzte entschieden sich, das Kind bereits 30 Stunden nach seiner Geburt mit antiretroviralen Mitteln zu behandeln – obwohl sie noch nicht sicher wussten, ob das kleine Mädchen infiziert war oder nicht. Das lässt sich bei Neugeborenen gewöhnlich erst nach sechs Wochen feststellen und ist überdies selten. Pro Jahr werden wegen der regelmäßigen Therapie der infizierten Schwangeren in den USA nur rund 200 Fälle einer Übertragung des Virus im Mutterleib registriert.

Die ungewöhnliche Behandlung führte in Mississippi zu einem ungewöhnlichen Ergebnis, wie jetzt Forscher anlässlich eines Aids-Kongresses in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia erklärten. Im Blut des Mädchens, dessen Identität die Ärzte bislang nicht bekanntgegeben haben, fanden sich bereits 29 Tage nach Geburt und Behandlungsbeginn keine Hinweise mehr auf das Virus – obwohl in den drei Wochen zuvor alle Tests positiv ausgefallen waren.

Keine Aids-Erreger mehr

Und es wurde noch ungewöhnlicher: Das Virus blieb verschwunden, obwohl die Mutter mit ihrem Kind nach einem Jahr immer öfter Behandlungstermine versäumte und schließlich einige Monate der Klink ganz fern blieb. Das Kind erhielt keine Medikamente mehr. Erst als das Mädchen 23 Monate alt war, kam die Mutter wieder. Die Kinderärztin Hannah Gay fürchtete bereits, das Virus könnte erneut aufgetaucht sein. Doch die Tests fielen negativ aus. „Das hat mich schon sehr überrascht“, sagte Dr. Gay.

Heute ist das Kind zweieinhalb Jahre alt und hat seit einem Jahr keine Medikamente mehr erhalten. Der Erreger ist immer noch weitgehend verschwunden. Die Restmenge an Viren könne das Immunsystem des Kindes ohne medikamentöse Behandlung verkraften, hieß es.

Offenbar habe die sehr frühe Behandlung dazu geführt, dass sich bei dem Baby keine schwer zu behandelnden Viren-Depots bilden konnten, sagte jetzt Deborah Persaud von der Uni-Klinik in Baltimore, die Hauptautorin eines wissenschaftlichen Berichts über den Fall. Bei den meisten HIV-positiven Menschen bleibt der Erreger in sogenannten Schläferzellen und bricht wenige Wochen nach Beendigung der antiretroviralen Behandlung wieder aus. Jetzt sei es aber offensichtlich erstmals gelungen, ein Neugeborenes von einer HIV-Infektion zu heilen, sagte Persaud. Wenn das zutrifft, dann wäre das Mädchen aus Mississippi überhaupt erst der zweite Fall einer Heilung weltweit. Als bislang einziger Mensch galt der US-Amerikaner Timothy Brown, der als der sogenannte „Berliner Patient“ bekanntwurde. Der HIV-positive Brown hatte sich 2007 in der deutschen Hauptstadt wegen Leukämie behandeln lassen. Nach einer Stammzellen-Transplantation ließen sich die Aids-Erreger auch einige Jahre danach nicht mehr nachweisen. Wissenschaftler bezeichnen Brown inzwischen als geheilt.

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Ob der Fall des kleinen Mädchens aus dem Süden der USA ebenfalls in diese Kategorie gehört, ist noch unklar. Manche Experten sind skeptisch. Es fehle noch der letzte Beweis, dass das Baby aus Mississippi tatsächlich infiziert gewesen sei, als es zur Welt kam, sagte etwa Daniel Kuritzkes, Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten eines Krankenhauses in Boston.

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Gesundheit von A-Z

Quelle: Onmeda

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