Medizin

25. August 2012

Immunschwäche: Neue Krankheit in Asien ähnelt Aids

HIV-Symptome, obwohl keine Infektion vorliegt: Darunter leidet diese Patientin. Besonders in Taiwan und Thailand ist die neuentdeckte Krankheit verbreitet. Foto: dapd

Mediziner haben in Asien eine bisher unbekannte Immunschwäche entdeckt, deren Symptome denen von Aids ähneln. Ihre Entstehung ist rätselhaft: Sie wird weder von einem Virus wie HIV verursacht, noch scheint sie vererbt zu werden. Ansteckend ist sie offenbar ebenfalls nicht.

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Meist tritt sie im Erwachsenenalter auf und ist gekennzeichnet durch ständig wiederkehrende Infektionen verschiedener Art, die den gesamten Organismus betreffen.

Bisher konnten die Mediziner knapp 100 Fälle identifizieren, die vor allem in Thailand und Taiwan auftraten. Vermutlich gebe es jedoch eine Vielzahl von Fällen, bei denen die Immunschwäche für Tuberkulose oder eine andere Infektionskrankheit gehalten werde, sagt die Studienleiterin Sarah Browne vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases (Niaid) in Bethesda, USA. Die Forscher stellen das Syndrom im Fachmagazin New England Journal of Medicine vor. Sie tauften die neue Krankheit „Adult-Onset Immunodeficiency Syndrome“, übersetzt etwa „Im Erwachsenenalter einsetzendes Immunschwäche-Syndrom“.

Ungewöhnliche Antikörper

Auf die Krankheit aufmerksam wurden die Forscher durch Berichte über eine fortgeschrittene Immunschwäche bei 25 Erwachsenen, hauptsächlich aus Ostasien, die einer HIV-Infektion ähnelten, ohne dass sich das Virus nachweisen ließ. Später seien noch weitere Fallserien aus Thailand und Taiwan dazugekommen, berichtet das Team. Vielfach litten die Betroffenen an Infektionen mit Mykobakterien, einer Gruppe von Mikroorganismen, zu denen auch Lepra- und Tuberkulose-Erreger gehören und die typischerweise Menschen mit geschwächtem Immunsystem befallen.

Um das Syndrom genauer charakterisieren zu können, rekrutierten die Wissenschaftler 203 Patienten in thailändischen und taiwanesischen Universitätskliniken. Gut 100 von ihnen dienten als Kontrollgruppe. Bei den restlichen 100 traten wiederholt unerklärliche Infekte mit verschiedenen Erregern auf, deren Spektrum dem bei HIV-Patienten ähnelte. Alle Teilnehmer wurden sorgfältig untersucht und zum Teil mit Antibiotika behandelt.

Es gab eine charakteristische Besonderheit: Bei allen ließen sich ungewöhnliche Antikörper im Blut nachweisen. Sie richteten sich gegen Interferon-Gamma, einen wichtigen Botenstoff der Körperabwehr, der nach einer Infektion gebildet wird und die Immunzellen aktiviert, damit der Eindringling bekämpft werden kann. Wird er durch Antikörper abgefangen, kann er dieser Aufgabe nicht mehr nachkommen. Die Folge ist eine extreme Anfälligkeit für Infektionen mit Viren, Bakterien und Pilzen, wie sie auch die Betroffenen zeigten.

Was die Produktion der fehlgeleiteten Antikörper auslöst, ist bisher unklar. Eine genetische Veranlagung, bei der ein einzelnes Gen defekt ist, könne ausgeschlossen werden, sagen die Forscher. Es gebe keine familiäre Häufung. Auch das späte Auftreten der Krankheit im fortgeschrittenen Erwachsenenalter spreche dagegen. Es könnte sich um eine frühere Infektion handeln, bei der die Immunantwort außer Kontrolle geriet und anschließend falsche Antikörper bildete, spekulieren sie.

Da jedoch alle bisher identifizierten Betroffenen Asiaten waren, erscheine es nahe liegend, dass es eine komplexe genetische Veranlagung gebe, die – allein oder in Kombination mit bestimmten Umweltfaktoren – zur Produktion der fatalen Antikörper führe. (dapd)

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Gesundheit von A-Z

Quelle: Onmeda

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