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Medizin

14. Dezember 2012

Kolumne: Schrott im Einsatz

 Von Dr. med. Bernd Hontschik
Alles sauber? Brustimplantate in einem Schönheitsberatungszentrum. Foto: dapd

Selbst als Arzt kann man sich nicht sicher sein, dass man nicht vielleicht doch Schrott dem Patienten andreht: Britische Journalisten zeigen, dass private Zertifizierungsstellen in Europa selbst frei erfundene Produkte für den Medizinbereich zulassen.

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Ein alter Hut, aber es ändert sich wenig. Ich meine die Pharmaindustrie, die mit Korruption und Lobbyarbeit bis in die höchsten nationalen und internationalen Entscheidungsgremien hinein agiert, hemmungslos im Einsatz von gekauften Ärzten und Wissenschaftlern zur Unterdrückung unliebsamer Forschungsergebnisse und immer bereit zu jeder Art von versteckter oder direkter Werbung, skrupellos bei der Medikamentenerprobung in Entwicklungsländern und unschlagbar kreativ bei der Erfindung neuer Krankheiten für vermeintlich bahnbrechende Medikamenten-Innovationen.

Bernd Hontschik.
Bernd Hontschik.
Foto: Christoph Boeckheler

All das ist längst bekannt und vielfach nachgewiesen. Wohl kaum ein Industriezweig hat weltweit einen schlechteren Ruf als die Pharmaindustrie, höchstens noch übertroffen von den großen Energiekonzernen.

Aber es gibt noch einen Bereich, der wenig beachtet wird, in dem der Schaden für Patientinnen und Patienten aber auch ungeheuer groß sein kann. Schon bei der Diskussion über französische Brustimplantate, die mit Industriesilikon gefüllt waren und platzten, kamen haarsträubende Details über die Zulassung solcher Produkte ans Licht. Seitdem hat sich trotzdem nichts geändert.

Betrug bei Zulassungsstellen

Journalisten des British Medical Journal und des Daily Telegraph versuchten, für ein in Wirklichkeit gar nicht existierendes künstliches Hüftgelenk namens „Changi TMH“ einer von ihnen erfundenen Firma Changi die Zulassung zu bekommen. Sie reichten bei 14 privaten Zertifizierungsstellen in fünf europäischen Ländern Unterlagen ein, in denen deutlich zu lesen war, dass die Gelenkpfanne bald brechen würde und das Implantat giftige Schwermetallionen absondere.

Das imaginäre Implantat hatten sie von Modellen kopiert, die wegen Gefahr und Untauglichkeit schon lange vom Markt genommen waren. Das Ergebnis: Sie erhielten die europaweite Zulassung für dieses Gefahrgut ohne weitere Probleme!

Arzneimittel werden erforscht und geprüft, diese Gesetze sind immerhin streng, auch wenn hier viel gelogen und getäuscht werden kann. Die Zulassungsstellen aber sind in privater Hand  (unglaublich!), die  Medizinprodukte werden weder getestet noch auf ihren Nutzen geprüft. Die Gesetze sind lächerlich, die Firmen müssen nur Zertifizierungsgebühren bezahlen.

Als Patientin, als Patient verlässt man sich auf die ärztliche Qualifikation und auf die Unbedenklichkeit und Wirksamkeit der verwendeten Hilfsmittel. Aber leider steht fest, dass man nicht einmal als Arzt weiß, ob man bei der Arbeit vielleicht Schrott benutzt. Die Zertifizierung muss unter staatliche Aufsicht, ein strenges Gesetz muss her, sofort!

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Gesundheit von A-Z

Quelle: Onmeda

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