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Medizin

16. August 2012

Test an Mäusen: Der Pille für den Mann ein Stück näher

Eine Anti-Baby-Pille für Männer wird vielleicht bald auf den Markt kommen.  Foto: dpa

Eine neue Substanz namens JQ1 macht männliche Mäuse vorübergehend unfruchtbar, richtet aber keine bleibenden Schäden an. Der Stoff sei eine vielversprechende Basis für eine Pille für den Mann.

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Eine neue Substanz namens JQ1 macht männliche Mäuse vorübergehend unfruchtbar, richtet aber keine bleibenden Schäden an. Der Stoff sei eine vielversprechende Basis für eine Pille für den Mann.

Forscher haben einen neuen vielversprechenden Ansatz für eine Pille für den Mann gefunden: Eine Substanz namens JQ1 kann bei männlichen Mäusen Qualität und Menge der produzierten Spermien so stark beeinträchtigen, dass die Tiere unfruchtbar werden. Dieser Effekt ist vollständig reversibel: Wird die Einnahme des Mittels gestoppt, regeneriert sich die Fruchtbarkeit der Tiere wieder und sie können normalen, gesunden Nachwuchs zeugen.

Zwar eigne sich JQ1 noch nicht für menschliche Probanden, sagt Studienleiter James Bradner vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston. Sein Wirkungsmechanismus sei jedoch eine hervorragende Basis für die Entwicklung eines Verhütungsmittels, das in Tablettenform eingenommen werden kann. Über ihre Arbeit berichten die Wissenschaftler im Fachjournal „Cell“.

An Mäusen getestet: Ihr Verhalten und Hormonspiegel veränderte sich durch das Mittel nicht.
An Mäusen getestet: Ihr Verhalten und Hormonspiegel veränderte sich durch das Mittel nicht.
Foto: dpa

Eigentlich ist JQ1- benannt nach Bradners Mitarbeiter Jun Qi, der den Wirkstoff entwickelt hat - ein potenzieller Kandidat für ein Krebsmedikament: Es blockiert die Arbeit eines Proteins, das unter anderem an der Entstehung von Lungenkrebs und verschiedenen Blutkrebsarten beteiligt ist. Dieses Protein hat jedoch Verwandte, die in unterschiedlichen Körperregionen vorkommen. Einer davon, BRDT genannt, spielt eine Schlüsselrolle beim Reifungsprozess von Spermien. Die Forscher stellen sich die Frage, ob JQ1 auch dieses Protein blockieren könnte - und damit das Zeug zu einem neuartigen männlichen Verhütungsmittel habe, erzählt Bradner.

Hoden schrumpfen,Verhalten verändert sich nicht

Um dies zu testen, verabreichten die Forscher das Mittel zweimal täglich männlichen Mäusen. Nach ein bis zwei Monaten beobachteten sie, dass die Hoden der Tiere schrumpften. Gleichzeitig nahmen die Anzahl und die Beweglichkeit ihrer Spermien drastisch ab. Die Hormonspiegel, das Allgemeinbefinden und das Verhalten der Tiere blieben hingegen völlig normal - sie paarten sich weiterhin, konnten aber keinen Nachwuchs zeugen. Als die Forscher später das Medikament wieder absetzten, normalisierte sich die Zeugungsfähigkeit der Mäuse innerhalb von vier bis sechs Wochen wieder. Es habe keinerlei Hinweise auf eine reduzierte Fruchtbarkeit oder Folgen der Behandlung für die Nachkommen gegeben, berichtet Bradners Team.

Offenbar kann JQ1 problemlos die sogenannte Blut-Hoden-Schranke durchdringen, schlussfolgern die Forscher. Dieses Schutzsystem trennt den Blutkreislauf von dem Bereich im Hoden, in dem die Spermien reifen, und schützt diese so vor Krankheitserregern und Giften. An dieser Barriere seien viele der bisherigen Versuche gescheitert, ein Verhütungsmittel für den Mann zu entwickeln, erläutert Bradner.

Ein weiterer Vorteil des neuen Wirkstoffs ist seiner Ansicht nach seine Unabhängigkeit von den komplexen hormonellen Kontrollmechanismen, die die Spermienproduktion steuern. Die meisten bisherigen Ansätze hätten auf genau diese Regelkreise abgezielt, seien jedoch nicht erfolgreich gewesen. Da JQ1 aufgrund seiner völlig anderen Wirkungsweise nicht in den Hormonhaushalt eingreife, würden auch die typischen Nebenwirkungen einer Hormonbehandlung wie Depressionen, Verhaltensänderung und Ähnliches vermieden.

Schließlich sei das Molekül auch klein und unempfindlich genug, um den Verdauungstrakt passieren zu können, ein Einsatz in Form einer Tablette sei also durchaus denkbar, sagt Bradner. Allerdings wird es wohl niemals JQ1 in Pillenform geben: Für einen Einsatz bei gesunden Menschen müsse der Wirkstoff erst so verändert werden, dass er ausschließlich das spermienproduzierende Protein angreife und kein anderes Mitglied der Proteinfamilie. (dapd)

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Gesundheit von A-Z

Quelle: Onmeda

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