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Medizin

03. Januar 2013

Untersuchung: Ein Ring ums Herz

 Von Karl-Heinz Karisch
Gesundes Herz. Foto: Charité

Als schonende Alternative zur Untersuchung des Herzens mit dem Katheter beginnt sich die Computertomografie zu etablieren. In einer großen Studie vergleicht die Berliner Charité jetzt den Nutzen der beiden Methoden.

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Er hat lange gezögert. Jetzt liegt Thilo W. (62) entspannt auf einer Liege. In der linken Armvene liegt eine Kanüle. Summend fährt er in den ringförmigen Computertomografen (CT) hinein. Ein rot leuchtendes Laserkreuz bleibt auf der Brust direkt über seinem Herz stehen. Danach läuft das Programm nahezu automatisch weiter. Ein Kontrastmittel fließt in seinen Kreislauf. Die Aufnahme des kompletten Herzens dauert gerade mal eine Drittel Sekunde.

„Ein Herz bewegt sich, der CT muss also sehr schnell sein“, sagt Privatdozent Marc Dewey vom Institut für Radiologie der Charité am Campus Mitte. Die Klinik verfügte als erste in Deutschland über ein hochauflösendes 320-Zeilen-CT, das die Strahlenexposition deutlich reduziert hat. Aus maximal 4 320 schichtförmigen Aufnahmen setzt der Computer ein dreidimensionales Herz mitsamt den feinsten Adern zusammen.

Keine Therapie nötig

Seit rund zehn Jahren arbeitet Dewey daran, eine für den Patienten weitgehend risikolose Alternative zum Herzkatheter zu entwickeln. Derzeit gibt es in Deutschland bereits jährlich mehr als eine Million solcher Herzkatheter-Untersuchungen. Gut zwei Drittel dienen nur dem Ausschluss von ernsthaften Herzerkrankungen. Das heißt, der Eingriff führt zu keiner medizinischen Therapie am Herzen, etwa der Beseitigung einer Engstelle mit Hilfe eines Stents.
Diese Fälle wären ideal für das nichtinvasive CT-Verfahren. „Für die Kollegen in der Herzkatheterabteilung hätte das den Vorteil, dass sie sich auf die medizinisch schwierigen Fälle konzentrieren könnten“, meint Dewey.

Die Berliner Studie

Derzeit arbeiten weltweit mehrere Medizinergruppen an der CT des Herzens. Die CAD-Man-Studie an der Berliner Charité, die in einem Zufallsverfahren die CT mit dem Herzkatheter vergleicht, ist allerdings die einzige ihrer Art. Ergebnisse der Studie werden frühestens Ende des Jahres veröffentlicht. Bislang sind zwei Drittel der 320 für die sogenannte CAD-Man-Studie notwendigen Patienten untersucht worden. Noch werden weitere Patienten gesucht, die damit eine 50-prozentige Chance für eine CT erhalten. Die Studie ist von der Ethikkommission der Charité und vom Bundesamt für Strahlenschutz genehmigt worden.

Für weitere Informationen oder zur Terminvereinbarung ist die Studienzentrale unter der Telefonnummer 030 / 45 06 27 264 von Mo-Fr in der Zeit von 8 bis 16 Uhr erreichbar. Kontaktaufnahme per E-Mail: herzschmerzen@charite.de

Auch Komplikationen sind bei der Katheteruntersuchung nicht selten. Laut großer Beobachtungsstudien erleidet wegen einer Herzkatheter-Untersuchung etwa ein Patient von hundert schwere Komplikationen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Tod.
Dennoch sind Katheter-Untersuchungen auf dem Vormarsch. Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sind in der Wohlstandsgesellschaft häufig; Hauptrisikofaktoren bleiben das Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht, erhöhte Cholesterin- und Triglyceridwerte und Bewegungsmangel.

Herzinfarkte stellen mit rund 300 Todesfällen pro 100 000 Einwohner im Jahr die häufigste Todesursache in Deutschland dar. Typische Vorboten für die Gefäßverkalkung (Atherosklerose)sind Kurzatmigkeit, etwa beim Treppensteigen oder Brustschmerzen (Angina Pectoris).

Wenn der Arzt eine solche Verengung der Herzkranzgefäße vermutet, wird er den Patienten meistens zur sogenannten Koronarangiographie schicken. Dabei werden die Herzkranzgefäße mit einem Kontrastmittel geröntgt. Der heute noch übliche Weg ist der Herzkatheter, der häufig durch eine Ader an der Leiste eingeführt wird. Mit ihm wird zunächst das Röntgen-Kontrastmittel in die Herzgefäße eingebracht. Je nach Diagnose kann mit einem kleinen Ballon eine Engstelle aufgeweitet werden (Ballondilatation). Um der Wiederverengung entgegenzuwirken, kann anschließend direkt ein kleines Gittergerüst (Stent) implantiert werden. In schwereren Fällen empfiehlt sich eine Bypass-Operation, bei der Umgehungsadern die optimale Blutversorgung des Herzmuskels wieder herstellen.

Grundsätzlich sind diese medizinischen Möglichkeiten ein großer Gewinn gegenüber früheren Zeiten. Kritiker monieren allerdings, dass in Deutschland deutlich mehr Herzkatheter als in anderen Industrieländern durchgeführt werden.
Angesichts der Risiken wird weltweit an nichtinvasiven Alternativen gearbeitet. Fortschritte gibt es dabei nicht nur bei der Computertomografie, auch die Magnetresonanztomografie kann die Herzkranzgefäße abbilden. Allerdings noch nicht so gut und zuverlässig wie die CT.

„In den vergangenen zehn Jahren haben bei der Computertomografie erhebliche Verbesserungen stattgefunden“, berichtet Charité-Mediziner Dewey. Das könne man mit der Entwicklung im Bereich der Trick- und 3D-Filme vergleichen. Avatar wäre vor wenigen Jahren nicht möglich gewesen. „Die für das große Kino entwickelte Bildverarbeitung nutzt uns in der Medizin, indem heute etwa Gefäße mit höchster Genauigkeit computergestützt aus den Bilddaten erkannt und in 3D analysiert werden können“, erläutert er.

Verengungen der Herzkranzgefäße, sogenannte Stenosen, würden mittlerweile mit mehr als 97-prozentiger Sicherheit erkannt und dargestellt, so Dewey. Umgekehrt erfahre der Patient, wenn keine Stenosen vorliegen.

Bewegung eingefroren

Die CT-Untersuchungen sind heute so schnell, dass das Herz in der Bewegung eingefroren wird und eine scharfe Abbildung der Herzkranzgefäße möglich gemacht wird. Gleichzeitig ist es aber auch möglich, das pumpende Herz zu zeigen. Das wird aber nur bei schwierigen Fällen gemacht, weil es zu einer höheren Strahlenexposition führt.

„Es ist gut, dass an der Charité die verschiedenen Disziplinen Hand in Hand arbeiten, um die Grundlagen für vernünftigen Entscheidungen zu schaffen“, sagt Dewey. Bei Patienten mit geringer Wahrscheinlichkeit für eine koronare Herzkrankheit sei die CT mit circa 250 bis 500 Euro auch vom Kostengesichtspunkt günstiger.

So kann auch Thilo W. an diesem Tag nach der Untersuchung im CT im Rahmen der CAD-Man-Studie (siehe Kasten) erleichtert aufatmen. Eine Untersuchung mit dem Herzkatheter war bei ihm nicht notwendig. Charité-Radiologe Marc Dewey sieht W.s Herz nach der CT dreidimensional auf dem Bildschirm. Langsam lässt er es rotieren.

„Die Kranzgefäße sind gut dargestellt, es liegen keine Engstellen vor“, beruhigt er den Patienten. Der Kardiologe lag also mit seiner Vermutung richtig. Stress und zu hoher Blutdruck hatten bei Thilo W. zu den heftigen Brustschmerzen geführt. „Auf den gut eingestellten Blutdruck werde ich jetzt besser achten“, verspricht er.

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Gesundheit von A-Z

Quelle: Onmeda

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