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25. Mai 2013

50 Jahre Organisation für Afrikanische Einheit: Afrikas Aufstieg

 Von 
Soldaten verschiedener Nationen sitzen am 50. Jahrestag der OAU zusammen. Foto: AFP

Die Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) wird fünfzig Jahre alt. Dahinter verbirgt sich auch eine oft vernachlässigte Erfolgsgeschichte.

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Ein derart euphorisches Jubiläum hätte noch bis vor kurzem keiner für möglich gehalten. Fünfzig Jahre nach der Gründung der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) werden sich die 54 Präsidenten des einst als Kontinent der Kriege, Krankheiten und Katastrophen verschrienen Erdteils beim Geburtstagsfest in Addis Abeba am Samstag gegenseitig auf die Schultern klopfen: „The Rise of Africa“, Afrikas Aufstieg, ist zum Refrain einer weltweit gesungenen Hymne geworden. Dem Kontinent, der gegenwärtig über sieben der zehn am schnellsten wachsenden Ökonomien der Erde verfügt, und dessen Bevölkerung im Durchschnitt gerade mal 19 Jahre alt ist, wird eine goldene Zukunft vorausgesagt: Spätestens Mitte dieses Jahrhunderts soll Afrikas Wirtschaftsvolumen sowohl das der USA wie Europas überholt haben.

Solche Aussichten hatten einst höchstens die verträumten Gründungsväter der OAU zu fantasieren gewagt. Die jungen Staatschef wie der Ghanaer Kwame Nkrumah, Guineas Sékou Touré oder der Malier Modibo Keita wollten damals auf die Schnelle ein grenzenloses Afrika mit einer Zentralregierung, einer einheitlichen Armee und gemeinsamer Währung schaffen. Die Wirklichkeit (möglicherweise auch die Obstruktion der ehemaligen Kolonialnationen) belehrte sie indessen eines Schlechteren. Statt einer Stammzelle für die „Vereinigten Staaten von Afrika“ wurde aus der OAU „ein Club von Diktatoren“ (Ugandas Staatschef Yoweri Museveni), die vor allem ein gemeinsames Interesse hatten: Sich bei der Ausplünderung ihrer Staaten und der Unterdrückung ihrer Bevölkerung nicht gegenseitig in die Quere zu kommen. Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten ihrer Mitgliedsstaaten galt als eherner Grundsatz der OAU – Ende der 80er-Jahre glich Afrika einem Massengrab.

Das Ende des Kalten Krieges bedeutete auch für Afrika einen Neuanfang. Der Kontinent der Stellvertreter-Kriege wandelte sich. Mit der Abschaffung der südafrikanischen Apartheid war auch das letzte koloniale Bollwerk des Kontinents geschleift. Die Präsidenten suchten dem neuen globalen Klima mit der Verwandlung der OAU in die Afrikanische Union im Jahr 2002 Rechnung zu tragen: Das Prinzip der Nichteinmischung wurde über den Haufen geworfen, stattdessen unterwarfen sich die Staatschefs freiwillig einem Kontrollmechanismus zur besseren Regierungsführung und suchten mit dem Neuen Plan für Afrikas Entwicklung (Nepad) die Grundlage für eine wirtschaftliche Renaissance des Erdteils zu legen. Nicht viele der hehren Vorsätze wurden erfolgreich in die Praxis umgesetzt: Doch die Tonart in Afrika war eine andere geworden.

Dass die Staatschefs heute ihre Hymne von Afrikas Aufstieg singen können, hat viel mit der Verbesserung ihrer Regierungsführung zu tun. Die Administrationen sind zweifellos demokratischer, funktionsfähiger und verlässlicher geworden. Auch äußere Einflüsse trugen zum Paradigmenwechsel bei. Neben dem Siegeszug der Informationstechnologie, die den Erdteil aus dem Mittelalter direkt in die Postmoderne befördert, spielt vor allem Chinas Auftritt als afrikanischer Wirtschaftspartner Nummer Eins eine dominierende Rolle. Man kann gegen die Motive des Reichs der Mitte sagen was man will: Sein knapp zehnjähriges Engagement hat weit mehr bewirkt als 50 Jahre Entwicklungspolitik.

Zu ausgelassen sollten die Präsidenten in Addis trotzdem nicht feiern. Noch immer stehen die Schlusslichter der Staatenfamilie vor großen Herausforderungen. Tatsächlich gründen sich die phantastischen Wachstumsquoten vor allem auf den Export besser bezahlter Rohstoffe: Von einer Industrialisierung fehlt in weiten Teilen Afrikas noch immer jede Spur. Während eine kleine Schicht von Nutznießern des Bodenschatz-Booms immer reicher wird, wächst die Zahl vor allem jugendlicher Arbeitsloser: Sozialer Sprengstoff, der sich beim arabischen Frühling im Norden Afrikas bereits entzündete. Die Afrikanische Union hat weder die Kraft noch die Mittel, solchen Eruptionen etwas entgegenzusetzen. Sowohl in Libyen wie in Mali schauten Afrikas Staatschefs machtlos zu, wie die ehemaligen Kolonialnationen – allem voran Frankreich – ihre Interessen durchsetzten oder die Kohlen aus dem Feuer holten, je nachdem, von welcher Warte aus man das sieht.

OAU-Kommissionspräsidentin Nkosazana Dlamini-Zuma weiß um solche Unzulänglichkeiten. Die Südafrikanerin hat noch vier Jahre Zeit, aus dem Club der Individualisten, die teilweise nicht einmal ihre Beiträge bezahlen, eine wirkliche panafrikanische Union zu schmieden, die ihre Interessen auch gegenüber vermeintlich wohlmeinenden Partnern – französische Ex- und chinesische Neokolonialisten – geltend machen kann. Was die kompetente Managerin jedoch nicht vermag, ist jene Geschäftsleute und Politiker vor allem deutscher Provenienz aus dem Dornröschenschlaf zu rütteln, die noch immer dem Klischee des hoffnungslosen Kontinents nachhängen. Diese Zuspätkommer wird wieder mal das Leben bestrafen.

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